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16.Oktober
2012

Günter Grass – Die Blechtrommel

Benjamin Jendro

Grass - Die BlechtrommelMit Mo Yan wird zum diesjährigen Jahrestag von Alfred Nobel der erste Chinese für sein Land mit dem Literaturnobelpreis ausgezeichnet. Deutschland gelang dieses Kunststück bereits vor gut einhundert Jahren, als Paul Heyse den begehrtesten Schriftstellerpreis einheimsen konnte. Ihm folgten sieben weitere Landsleute, unter anderem mit Günter Grass jemand, der 1999 gewann, „weil er in munterschwarzen Fabeln das vergessene Gesicht der Geschichte gezeichnet hat“. Gemeint war damit in erster Linie sein großer Durchbruch „Die Blechtrommel“. Der heutige Hörbuchtipp soll an einen der größten Literaten unserer Tage erinnern, auch, weil dieser heute seinen 85. Geburtstag feiert.

Ein Mann des 20. Jahrhunderts

Es kommt nicht von ungefähr, dass Günter Grass sich in seinen Werken intensiv mit den Geschehnissen seines Lebens beschäftigte. Insbesondere das 20. Jahrhundert hielt für die Menschen eine Reihe an guten und schlechten Augenblicken bereit. Gerade die deutsche Bevölkerung erlebte einen politischen Wandel, der seinesgleichen sucht. Mit gerade einmal 17 Jahren trat Grass damals der Waffen-SS bei. Mit Hitler selbst hatte er nie sympathisiert, die Hitlerjugend empfand er als ungeeignet. Nichtsdestotrotz war er ein Mann seiner Zeit und dieser wurde eben an gewisse Regeln gebunden. Nach dem Zweiten Weltkrieg wurde Grass politisch aktiver und bekam nun auch vermehrt die Chance, die eigenen Ansichten publik zu machen. Kritisch beobachtete er beispielsweise die Entzweiung von Ost und West, noch gravierender ihren ungleichmäßigen Zusammenschluss. Ab den 1950ern dienten ihm auch seine schriftstellerischen Werke zur Meinungsäußerung. In der Danziger Trilogie, deren Auftakt „Die Blechtrommel“ bildete, wird dies mehr als sichtbar. Dort zeigt der Autor die Entwicklung seiner Heimat bis in die Adenauer-Zeit, wobei er mit dem Hauptakteur Oskar Matzerath eine sonderbare Figur in den Fokus stellt, die ihm selbst sehr ähnlich scheint.

Ein Liliputaner und seine Leidenschaft zu trommeln

Bevor besagter Oskar in das Geschehen integriert wird, erfährt der Zuhörer von den Gegebenheiten seiner Herkunft. Wir hören, wie seine Mutter Agnes gezeugt und in was für Verhältnisse sie geboren wird. Schon bei ihrem Schicksal zeigt Grass, in welch brisanter politsicher Situation sich die Menschen befinden. Im Lauf der Geschichte heiratet sie den Hobbykoch Alfred, Oskars Vater. Interessanterweise wurde auch Grass in ein vergleichbares Elternhaus geboren, was deutlich macht, wie sehr er im Werk seine eigenen Erlebnisse und offene Fragen etabliert. Nach einem von ihm herbeigeführten Unfall, wächst der kleine Oskar nicht mehr weiter und wandelt fortan als Liliputaner durch die Tücken des Lebens. Immer mit dabei hat er seine Trommel, von der er sich zu keiner Zeit lösen möchte. In diesem zeigt sich immer mehr der Einfluss, den der Krieg erzielt. So fungiert der Autor, der gleichzeitig zum Leser des 28-stündigen Hörabenteuers geworden ist, auch als ein brillanter Historiker. Dieser zeigt uns die sich wandelnde Gesellschaft bis in die später Nachkriegszeit, bleibt dabei ein Begleiter von Oskar und irgendwie auch immer ein Erzähler, der in jedem Augenblick präsent geblieben ist.

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