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25.Juli
2016

Hans Fallada – Kleiner Mann, was nun?

Gisela

kleiner mannHans Fallada gehört zu zwischenzeitlich fast vergessenen Autoren, die plötzlich eine Renaissance erleben. Über 60 Jahre nach seinem Tod wurde sein Widerstandsroman „Jeder stirbt für sich allein“ in der ungekürzten Originalfassung neu veröffentlicht und ein Verkaufserfolg. V.a. im englischsprachigen Ausland war „Alone in Berlin“ ein Bestseller; die Hollywoodverfilmung des Stoffes wird im Herbst 2016 zu sehen sein. Weltberühmt wurde Fallada 1932 mit einem anderen Roman: „Kleiner Mann, was nun?“ über das Schicksal des Verkäufers Pinneberg und seiner Frau Lämmchen, die sich in den letzten Jahren der Weimarer Republik mühsam durchschlagen, begeisterte damals nicht nur die Leserschaft in Deutschland. Auch dieser Roman wurde nun im Aufbau Verlag in einer ungekürzten Originalfassung veröffentlicht und vertont.

Der Krise trotzen

Das junge Paar Johannes Pinneberg und Emma Mörschel – die beiden nennen sich nur „Lämmchen“ und „Junge“ – lernt sich im Sommer 1930 in der norddeutschen Provinz kennen und heiratet, als sich Nachwuchs ankündigt. Als Pinneberg seine Stellung verliert, kommen die jungen Leute zunächst bei seiner ungeliebten Mutter Mia in Berlin unter, deren Lebensgefährte Jachmann dem gelernten Verkäufer auch eine Stelle beim großen Warenhaus Mandel verschafft. Doch die Sorgen reißen nicht ab: Wie soll das Paar mit dem mickrigen Gehalt über die Runden kommen? Wie verkraftet Pinneberg den steigenden Verkaufsdruck im Laden? Wo findet man eine günstige Wohnung? Und wird es den beiden gelingen, den neu geborenen Murkel richtig großzuziehen?

Erstmals in der Originalfassung

Neben all den Alltagssorgen versteht es Hans Fallada, in „Kleiner Mann – was nun?“ immer wieder humorvolle Szenen und Dialoge einzubauen. Seine grundsympathischen Protagonisten wachsen dem Hörer schnell ans Herz, und die authentische Schilderung des Milieus der Pinnebergs, die Mischung aus Sentimentalität und Sachlichkeit, beruflicher Ausweglosigkeit und privater Idylle, verleiht dem Roman einen ganz eigenen Charme. Die Lesung mit Frank Arnold ist zwar gekürzt; die ursprünglich gestrichenen Teile wie z.B. der Besuch verschiedener Nachtclubs, politische Kommentare und innere Monologe Pinnebergs sind aber erfreulicherweise in dieser Vertonung dabei. Durch die Details der Originalfassung gewinnen die Charaktere an Tiefe, und die Atmosphäre zum Ende der Weimarer Republik wird noch greifbarer.

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