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10.August
2010

Herr Lehmann von Sven Regener

Benjamin Jendro

Man kann bei dem Buch Herr Lehmann getrost von einer banalen Handlung sprechen. Nicht, dass es der Geschichte als solches einen Abbruch tun würde. Sie lebt gerade von dieser leichten Lethargie, die mitschwingt. Im Mittelpunkt des „Nicht“-Geschehens ist Frank, der von allen aber nur Herr Lehmann genannt wird, was ihm nicht unbedingt gefällt, aber auch nicht änderbar ist. Was ich noch ganz vergessen habe zu erwähnen: Wir befinden uns in Kreuzberg, jenem schönen Stadtteil Berlins, der sein ganz eigenes Flair ausstrahlt und das vor allem um die Wende, sprich den Mauerfall, herum.

Psychisch sollten Sie versuchen, Ihre Denkfähigkeit zwischen 0,5 und 2,5 Promille zu justieren. Einem Zustand der beschwipsten Leichtigkeit, bis hin zur grenzenlosen Trunkenheit. Da mag es auch nur wenig verwundern, dass man sich inmitten eines Bettenroulettes befindet, weniger aus erotischen Gründen, sondern mehr dem Rausch geschuldet. Man wird Zeuge von tiefgehenden, aber vor allem realistischen Dialogen über die Frage, ob die Zeit schneller oder langsamer vergeht, wenn man betrunken ist, oder ob ein einsamer Kristallbiertrinker ein Zivi-Bulle ist.

Das Buch lebt von seiner Unaufgeregtheit, die größtenteils vom Protagonisten ausgeht, der weder wirklich spannend, noch sonderlich langweilig daherkommt, sondern vielmehr einfach nur ist. Dieses Sein ist es auch, das den Leser ergreift oder sagen wir einlümmelt. Das Dahingleiten über die Blätter ist meditierend und eine interessante Abwechslung zu unserer hektischen Welt.

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