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8.Januar
2013

Irene Dische – Großmama packt aus

Benjamin Jendro

Dische - Großmama packt ausSelbstverständlich finden sich in jedem Werk auch immer Charakteristika wieder, die der Autor oder die Autorin selbst aufweist. An niemandem zieht das Leben so einfach vorbei, ohne dass man durch die gemachten Eindrücke geprägt wird. Für Schriftsteller gilt das wohl umso mehr. Sie sind es nämlich letztlich, die ihren Eindrücken auf einem Stück Papier volle Entfaltung zukommen lassen können. Schriftstücke jeder Art dienen auch immer dazu, eigene Fragen an das Leben zu beantworten. Für Irene Dische war das in „Großmama packt aus“ die eigene Zugehörigkeit. Christin oder Jüdin, Deutsche oder Amerikanerin?

Jude ist man von Geburt an

Ohne Frage lässt sich in der Erzählung aus Sicht ihrer Großmutter Elisabeth Rother eine Menge aus dem Leben der Autorin selbst herauslesen. Irene selbst wird in den nostalgischen Erinnerungen der Erzählerin als missratenes Mädchen dargestellt, das schon aufgrund der Gene ihre Vaters für den folgenden Weg gekennzeichnet wurde. Noch aussagekräftiger aber sind die Ereignisse, die sie über die früheren Generationen vermittelt. Elisabeth ist eine gute Katholikin, die sich lange vor Kriegsausbruch in den jüdischen Arzt Carl Rother verliebt. Dieser konvertiert zum Christentum, hat kaum etwas für das Judentum übrig und selbst bei genauer Betrachtung erinnern nur seine große Nase und die dunkeln Augen an die Herkunft. Das ändert jedoch nichts am Hass der Nazis, die ab 1933 die Geschicke des Landes leiten.

Auf der Suche nach der jüdischen Identität

Es scheint ihr entscheidender Fehler gewesen zu sein, einst einen Juden geheiratet zu haben. Mit Lug und Trug gelingt es ihr, die Familie in Sicherheit zu bringen, noch ehe das große Morden losgeht. Elisabeth hat eigentlich nichts für Juden übrig, sie liebt einfach nur ihre Familie, zu der auch Tochter Renate gehört. Auch für sie ist das Leben schwer, obwohl sie selbst kein Bezug zum Judentum hat. Die Sinnlosigkeit dessen zeigt sich beispielsweise in der Haltung von Hausdame Liesel, die zwar Urdeutsche ist, aber vehement für die Familie eintritt. Deren Schicksal bringt sie in die USA, wo Renate sich weiterentwickelt und später einen Juden nach dem anderen heiratet. Sie ist in den Augen ihrer Mutter ebenso verkommen wie auch die spätere Irene. Nüchtern betrachtet Elisabeth Rother das Geschehen ohne der Autorin, ihrer Enkelin, eine abschließende Erklärung darüber zu geben, wo sie eigentlich hingehört.

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