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3.Dezember
2013

Joseph Roth – Hiob

Benjamin Jendro

Roth - HiobFatal wäre es, wenn wir uns als literarisch Bewanderte lediglich jenen Werken widmen, die zur Zeit unserer Erfahrungen publiziert oder wie in diesem Fall vertont werden. Als Mensch ist man –  vollkommen gleich, in welcher Zeit man geboren wird – immer an Faktoren der Menschheitsgeschichte gebunden. Wir müssen uns mit dem auseinandersetzen, was passiert ist, selbst, wenn wir zu dieser Zeit nicht mal ein Gedanke waren, geschweige denn einen entwickeln konnten. Das Wissen über vergangene Generationen und Jahrhunderte wird uns am ehesten über literarische Erzeugnisse vermittelt. Joseph Roths „Hiob ist so ein Zeugnis, dem man Beachtung schenken sollte. Es lehrt uns viel über das, was einmal war.

Hiob – nicht ganz zufällig Titel des Werkes

Joseph Roths Wurzeln sind jüdisch, dementsprechend wird auch sein Schreiben bestimmt. 1894 in Ostgalizien geboren, erlebte er das dunkelste Kapitel des 20. Jahrhunderts am eigenen Leib. „Hiob“ scheint so ohne Frage ein passender Titel, auch wenn man selbst noch nicht weiß, wofür der Titelheld des gleichnamigen Buches aus dem Alten Testament hier Sinnbild steht. Erzählt wird die Geschichte von Mendel Singer und seiner Familie. Gottesfürchtig und wahnsinnig fromm kommt Roths „Hiob“ allen Pflichten des Lebens nach und wird doch vom Allmächtigen großen Prüfungen unterzogen. Einen Sohn verliert er ans Militär, den zweiten an Amerika. Der dritte ist schwer krank und behindert mit seiner Epilepsie die familiäre Erfüllung, nach der alle Beteiligten lechzen.

Hiob – Hoffnung kommt von einer Seite, aus der man sie nicht erwartet

Nachdem Mendel und die noch verbliebenen Familienmitglieder (Frau Deborah und Tochter Mirjam) dem Sohn Schemarjah, der sich nun Sam nennt, nach Amerika folgen, um dort ein neues Leben zu beginnen, keimt Hoffnung auf. Vielversprechend scheint nicht nur dessen neu aufgebaute Existenz, sondern auch das Land der unbegrenzten Möglichkeiten. Allerdings schwingt immer das schlechte Gewissen mit, den kranken Menuchim in der Heimat zurückgelassen zu haben. Die Jahre vegetieren so vor sich hin, die Familie bricht nach und nach auseinander, so dass schlussendlich nur noch Mendel übrigbleibt. „Hiob“ schließt mit der Ankunft eines berühmten Musikers, der aus dem gleichen Heimatdorf wie Mendel stammt und den alten Mann heimsucht. Vielleicht besteht für „Hiob“ ja doch eine Möglichkeit, das Leben mit einem zufriedenen Lächeln zu beenden.

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