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29.Mai
2013

Jussi Adler-Olsen – Das Washington-Dekret

Benjamin Jendro

Adler-Olsen - Das Washington-DekretMit Überwachung und Sicherheitsbeschränkungen ist es eine bekanntlich sehr ambivalente Sache. Zum einen fürchten wir uns vor Terroranschlägen, die aus dem Nichts heraus alles zerstören können, was uns wichtig ist. Gleichzeitig aber wollen wir Privatsphäre und beschweren uns darüber, dass wir unsere Zahnpasta beim Urlaubsflug in einem Zipp-Beutel verstauen müssen. Ohne Frage gibt es sinnvolle Maßnahmen und welche, die man getrost als diskussionswürdig deklarieren könnte. Jussi Adler-Olsen, der Entdecker des legendären Ermittlers Carl Mørck, hat sich bereits 2006 dieser Thematik gewidmet und ein Szenario geschaffen, das doch durchaus ein bisschen an „Der Staatsfeind Nummer 1“ erinnert. Im gewissen Sinne geht „Das Washington-Dekret“ sogar noch einen Tick weiter.

Zweimal ist dann doch ein Mal zu viel

Gerade erst wurde Bruce Jansen zum Präsident der Vereinigten Staaten gewählt. Gemeinsam mit seinen engsten Verbündeten will er in einem Luxushotel den Triumph feiern. Die Nacht, die karrieremäßig die bedeutendste seines Lebens ist, wird privat gesehen zu einer der dunkelsten. Seine hochschwangere Frau wird von einem Hotelangestellten erschossen. Wer nun denkt, dass dieser schwere Schicksalsschlag Jansen umwirft, mag zunächst Recht haben, wird aber schon bald eines Besseren belehrt. Der Präsident, der bereits vor 16 Jahren eine Ehefrau bei einem Raubüberfall verloren hat, bündelt seine Energie und erlässt, kaum vereidigt, sonderbare Gesetzesentscheidungen, die als Dekrete bzw. Executive Orders bezeichnet werden. Diese beinhalten verschärfte Überwachung, eingeschränkte Presse- und Meinungsfreiheit, engere Waffengesetze und die Rückbeorderung sämtlicher im Ausland stationierter Soldaten. Kurzum – Jansen stellt das gesamte System der USA auf den Kopf und versetzt das mächtigste Land des Erdballs in einen Ausnahmezustand.

Fragwürdige Szenarien

Als Jansen vor 16 Jahren den bereits benannten Schicksalsschlag hinnehmen musste, befand er sich mit den Gewinnern einer Quizshow in China. Die damals drittplatzierte Dorothy Rogers war da erst 14 Jahre alt. Seitdem ist sie dem heutigen Präsidenten freundschaftlich verbunden, hat sich sogar seinem Wahlkampfteam angeschlossen. Sie leidet mit dem Witwer, aber auch mit einer von ihm gehassten Person. Ihr Vater ist Bud Curtis, der wiederum das Hotel besitzt, in dem Jansens Frau niedergeschossen wurde. Der Attentäter selbst wurde an Ort und Stelle getötet. Curtis muss sich nun für die Tat verantworten und bekommt ziemlich schnell die Todesstrafe aufgebrummt. Auch wenn Dorothys Verhältnis zu ihrem Vater nie gut war, entschließt sie sich, für die Gerechtigkeit einzutreten. Das ist nur leider in einem Staat, der sich vom einen auf den anderen Tag vollkommen verändert hat, schwer zu realisieren. Zumal es bei der 677-minütigen Hörbuchfassung, die von Wolfram Koch gesprochen wird, zu jeder Zeit durchdringt, dass sich noch einiges mehr hinter der Geschichte um Jansen verbirgt.

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