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9.November
2010

Ken Follett: Sturz der Titanen

Gisela

Unter 1.000 Seiten geht es bei Ken Follett anscheinend nicht mehr: Hatten schon Leser seines letzten Bestsellers „Die Tore der Welt“ über 1.300 Seiten zum Schmökern, durchbricht sein neuester Roman „Sturz der Titanen“, der erste Band einer dreiteiligen Jahrhundertsaga, schon wieder die 1.000 Seiten-Schallmauer. Wer auf diesen Wälzer keine Lust hat, sich eigentlich aber schon für Folletts neuestes Werk interessiert, dem sei die bearbeitete Hörbuch-Fassung von „Sturz der Titanen“ empfohlen. Zwölf CDs muss man zwar auch erst einmal anhören, aber mit dem hervorragenden Johannes Steck als Sprecher und bei dem spannenden historischen Thema vergeht die Zeit wie im Flug.

Folletts Auftakt der Trilogie über das 20. Jahrhundert umspannt die Jahre 1914 bis 1923 – also vom Vorabend des ersten Weltkrieges bis zur Niederschlagung des Hitlerputsches in München. Anhand von einigen europäischen Familien, die er geschickt miteinander verknüpft, gelingt es Follett wieder einmal meisterhaft, das Panorama einer Epoche zu entwerfen. Da wäre die englische Adelsfamilie Fitzherbert, die mit einem deutschen Militärattaché in London, Walter von Ulrich, befreundet ist. Die Wege der Fitzherberts kreuzen sich aber auch mit denen der walisischen Familie Williams, anhand deren Kinder Ethel und Billy der politische Aufstieg der Arbeiterschicht dargestellt wird. Die Wirren der Russischen Revolution erleben die Hörer mit den Brüdern Grigori und Lew Peschkow, wobei letzterer in die USA auswandert. Dort trifft er auf Gus Dewar, Mitglied des Beraterstabs von Präsident Woodrow Wilson und wiederum mit dem Earl Fitzherbert und dem Deutschen von Ulrich bekannt. Ob die schicksalhaften Verbindungen seiner Charaktere und die wiederholten Begegnungen im Laufe des Romans – z.B. auf den Schlachtfeldern in Frankreich oder bei diplomatischen Empfängen – realistisch erscheinen, sei dahingestellt. Unbestritten ist aber, dass Ken Follett den geschichtlichen Hintergrund seines Buches gewissenhaft recherchiert hat und es ihm mühelos gelingt, anhand seiner Romanfiguren historische Ereignisse spannend und verständlich darzustellen. Als Hörer ist man mittendrin sowohl in der walisischen Kohlegrube als auch in der Schlacht an der Somme oder im Spiegelsaal von Versailles. Bei so vielen historischen Details geraten Folletts Figuren zwar ziemlich oberflächlich, aber das ist man als Leser bzw. Hörer seiner Werke schon gewohnt. Ebenso wie die zum Teil deftigen Liebesszenen, die er immer wieder in die Handlung einstreut.

Fazit: Ein echter Follett – hervorragend recherchiert, hervorragend gelesen, beste Unterhaltung, bei der man auch noch was dazulernt.

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