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8.Oktober
2010

Liebe 3

Benjamin Jendro

Hagen Rether hat unter anderem schon den deutschen Kleinkunstpreis in der Sparte Kabarett gewonnen. Dabei zeichnete die Jury einen Klavier spielenden Kabarettisten aus, der mit seinem Piano gefühlvoll untermalt, was seine messerscharfen Beobachtungen gerade lauthals herausschreien. In der Tat ist Rether kein Mann der lauten Worte, wohl aber des ohrenbetäubenden Gedankenlärms, der von ihm ausgeht und sich im Kopf des Zuhörers festsetzt.

Es ist die Art der Unterhaltung, die auch bildet, oder zumindest eine Meinung offenbart und manifestiert. Dabei hat sein Programm Liebe 3 mit Liebe so viel gemein wie Leidenschaft mit einer Darmspiegelung. Er nimmt sich allem an und dabei kein Blatt vor den Mund. Politische Korrektheit ist ihm ebenso fremd wie Zimperlichkeiten gegenüber der Industrie. Der Mann spricht aus, was viele denken und bringt scheinbar ganz abstrakte Begriffe und Gedankenkonstrukte auf einen Punkt, er macht Dinge verständlich. Damit darf er wohl als großer Feind der Politik gelten, die in großem Maße davon lebt, dass man sie eben absichtlich nicht versteht.

Beispiel gefällig? – Aus dem Programm “Licht”:
“Du, lass uns doch mal was richtig Doofes erfinden!” – “Du meinst was, was nicht funktioniert?” – “Ja.” – “Hmm. Wie wäre es mit Energiesparlampen?!” – “Och, das klingt ja schon blöd.” – “Hmm. Wie machen wir das, dass die so richtig dämlich sind?” – “Also man könnte in den Sockel richtig viel Elektroschrott reinpacken, den man nirgends entsorgt kriegt.” – “Gute Idee.” – “Und wir machen noch keine Rücknahmestationen, dass die Leute die Dinger so lange in der Kommode sammeln, bis sie sie entnervt in die graue Tonne donnern.” – “Super Idee. (…)” – “Hmm. Und das Licht muss richtig scheiße aussehen.” – “Ja, das ist gut, das gefällt mir.” – “Ham wa nicht noch irgendwas Giftiges, was man reintun könnte?” – “Hm. Wie wäre es mit Quecksilber?!” – “Ach, das ist toll. Das haben wir grade aus den Thermometern verbannt… das könnwa doch da wieder reinblasen. Das ist toll, Quecksilber…” – “Du, aber so ein Scheiß kauft doch keiner?!” – “Doch, natürlich.” – “Wie denn?!” – “Man muss den Rest nur verbieten.” – “Ach so, ja. Das ist ne gute Idee. (…) Das ist ja schon ganz schön verrückt, aber das ist mir noch nicht abgedreht genug. Wir müssen noch erschwerte Bedingungen einführen” – “Hm. Man könnte die so bauen, dass man die mindestens 3 Minuten laufen lassen muss, sonst geht die nach 3 Wochen kaputt.” – “Oh, das klingt richtig unvernünftig. Super. Also du kannst die nirgends verwenden. Aufm Klo nicht, in der Küche nicht, in der Diele nicht. Perfekt.” – “(…) und die Dinger brauchen eine Minute bis sie überhaupt hell sind.” – “Herrlich!”

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Kommentare

  1. emamedia sagt:

    Danke fürs Verlinken!
    Hier noch mein Tip auf ein wunderbares Hörbuch: “Gut gegen Nordwind”. Was für die Seele! http://emamedia.wordpress.com/2010/07/23/gut-gegen-nordwind-%E2%80%93-schreiben-ist-kussen-mit-dem-kopf/