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7.November
2012

Lion Feuchtwanger – Die Geschwister Oppermann

Benjamin Jendro

Feuchtwanger - Die Geschwister OppermannGerade in der deutschen Geschichte kann man auf der Suche in der Historie so manch dunkle Kapitel finden. Wir sind uns durchaus über unsere Vergangenheit im Klaren, spüren sie selbst heute noch tagtäglich. Obwohl wir mittlerweile innerhalb der Europäischen Union auf rechtmäßigem Weg zu einer unersetzlichen Führungsfigur gereift sind, bringt man die Deutschen auch immer mit der nationalsozialistischen Phase zwischen 1933 und 1945 in Verbindung. Viele der heutigen Menschen jedoch wissen bis auf das, was ihnen der Lehrunterricht über Hitler, seine Machtergreifung und den Zweiten Weltkrieg vermittelt, kaum etwas über die Phase. Wie gestaltete sich das Leben in ihr, besonders als Jude. „Die Geschwister Oppermann“ von Lion Feuchtwanger erzählen es und zeigen dafür das Schicksal einer Familie in den frühen 1930ern.

Ein Familienimperium in Berlin

Der zweite Teil von Feuchtwangers Wartesaal-Trilogie beginnt mit der Darstellung von Möbelhausbesitzer Gustav Oppermann, der seinen 50. Geburtstag feiern soll. Neben seinen Lebensumständen erfahren wir auch jede Menge über seinen Bruder Martin, den Geschäftsführer des Möbelhauses, der mit der Tochter eines hohen preußischen Beamten verheiratet ist. Auch von den anderen beiden Geschwistern, dem Arzt Edgar und der Schwester Klara, erfahren wir einiges. Es sind insbesondere die alltäglichen Begebenheiten, von denen wir in diesem Familienroman zu hören bekommen. Diese vermitteln durchaus ein Bild der frühen Phase nach der Machtergreifung, die es dem Leben der jüdischen Familie alles andere als leicht macht.

Verschiedene Perspektiven

Obwohl sich das Werk auf beinahe 8 Stunden streckt und von Michael Degen aufgrund der Thematik auch in bedrückender Art und Weise vorgetragen wird, erscheint es zu keiner Zeit langatmig. Vielmehr ist man dank der Figurenbreite gefesselt, von den einzelnen Charakteren und auch von dem, was von ihnen erzählt wird. Aus mehreren Sichten erleben wir den Blick auf das nationalsozialistische Deutschland. Die Gefahr, die für die Oppermanns von diesem ausgeht, wird wie von vielen anderen der Zeit anfangs noch unterschätzt. Später aber verstehen nicht nur sie, warum ein Emigrieren zwanghaft notwendig ist. Dass es dann für einige Mitglieder bereits zu spät ist, gehört ebenso zum Geschehen wie der dunkle Beigeschmack, den das Gesamtwerk für uns bereithält.

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