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5.März
2013

Luca di Fulvio – Das Mädchen, das den Himmel berührte

Benjamin Jendro

di Fulvio - Das Mädchen, das den Himmel berührteWenn man einem Hörbuch lauscht, das sich über siebeneinhalb Stunden zieht, kann es durchaus passieren, dass Langeweile auftritt. In Bezug auf den römischen Autor Luca di Fulvio und seine vorgelesenen Romane aber ist dieser Umstand ins entfernte Reich des Unmöglichen verbannt. Ganz gleich, ob man sich seinen letzten Bestseller „Der Junge, der Träume schenkte“ als Hörbuch zu Gute führte oder aber die beinahe 800 Seiten zu lesen begann – unterhaltsam blieb es bis zum letzten Augenblick. Grund genug für einen der derzeit erfolgreichsten italienischen Autoren beim neuen Werk „Das Mädchen, das den Himmel berührte“ noch einmal 200 Seiten beziehungsweise knappe drei Stunden drauf zu packen.

Italien in der Renaissance

Es sind schwierige Zeiten, in denen sich Europa zu Beginn des 16. Jahrhunderts zurechtfinden muss. Zwar ist das dunkle Mittelalter weitgehend aus den Köpfen verbannt, die katholische Kirche aber hat im Judentum weiterhin einen hartnäckigen Feind ausgemacht. Kleine kriegerische Auseinandersetzungen bestimmen ebenso wie Lug und Betrug den Alltag der Menschen. In diese Szenerie werden der Jude Isacco und sein Tochter Giudetta eingeführt. Der ehemalige Betrüger scheint in der Heimat aufgeflogen und versucht sein Glück in Venedig. Auf dem Weg dorthin treffen sie erstmals auf Mercurio, Benedetta und Zolfo, die aus Rom flüchten, weil sie meinen, einen jüdischen Kaufmann getötet zu haben. Eben jener begründet den dritten Erzählstrang, der dem Zuhörer wie die anderen von Philipp Schepmann erzählt wird. Der für tot Gehaltene nimmt eine neue Identität an und begibt sich auf einen Rachefeldzug, der sich vor allem gegen Mercurio richtet.

Von wegen Neuanfang

Wahrlich viele Elemente werden in die Geschichte eingeführt. Neben Mercurios Wunsch, endlich ein Ziel vor Augen zu haben und sich vom einstigen Betrüger zum Kämpfer für die Freiheit zu wandeln, drängt auch Giudettas Wunsch als Schneiderin Fuß zu fassen mehr und mehr in den Vordergrund. Isacco, Sohn eines Arztes, wird bereits zu Beginn des Werkes in die Rolle eines Mediziners gedrängt, überzeugt dort und scheint eine neue Berufung gefunden zu haben. Neben den Einzelschicksalen sind es aber vor allem die allgemeinen Umstände, die unsere Aufmerksamkeit erregen. Als ein fanatischer Mönch mithilfe Zolfos und eines einflussreichen Fürsten seinen individuellen Judenhass weiter ausdehnt, bleibt nicht nur den Beteiligten ein echter Kloß im Hals stecken. Es ist klar, das Gaunerei und ein gewisses Maß an Egoismus die Frühe Neuzeit prägten. Jeder musste schauen, wo er bleibt. Dass bereits zu dieser Zeit aber der Antisemitismus seine kräftigen Wurzeln bekommt, wirkt ohne Frage sehr erschreckend und mag für den einen oder anderen in der Form nicht bekannt gewesen sein. An dieser Stelle aber zeigt ein Roman seine wahre Klasse, nämlich dann, wenn er wahre Elemente mit einbettet.

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