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14.August
2012

Michael Tsokos – Der Totenleser

Benjamin Jendro

Tsokos - Der TotenleserViele Autoren verdanken ihren literarischen Ruhm der Fantasie. Sie spinnen sich die unterschiedlichsten Geschichte zusammen, um Leser für sich zu gewinnen. Einigen gelingt das ganz gut. Die Hand dafür ins Feuer legen möchte ich zwar nicht. Sicher bin ich mir aber dennoch. Jeder dieser Schriftsteller verarbeitet in seinem Werk eigene Erfahrungen, ganz der Fiktion entspringt kein Werk. Immer mehr in den Fokus rücken in den letzten Jahren aber auch die wirklichen Geschichten. Jene, die das reale Leben schreibt und, für die es keine große Fantasie mehr braucht. Insbesondere trifft dies auf Kriminalgeschichte zu. Wir dürfen spannenden Episoden lauschen, die uns Juristen, Polizisten aber auch Mediziner erzählen. Einer von dieser Generation ist Rechtsmediziner Michael Tsokos. Dieser versteht es auch in seinem zweiten Werk „Der Totenleser“ Dinge zu erzählen, die mehr unterhalten als es jedes Gedankengespinst zu erreichen vermag.

Aus dem Herzen der Charité

In Berlin und auch deutschlandweit konnte sich der mittlerweile 45-Jährige einen großen Namen machen. In der Rechtsmedizin führt ohne Frage kein Weg an Tsokos vorbei. Dass dies mittlerweile auch im Genre Krimi der Fall ist, liegt an seinen beiden Werken „Auf der Spur des Todes“ und „Der Totenleser“. In beiden Bänden erzählt der Professor der Humboldt Universität zu Berlin, was ihm so täglich auf den Seziertisch kommt. Dass seine Arbeit mit derjenigen von Hollywood beladenen CSI-Agenten rein gar nichts gemeinsam hat, wird in jeder Sekunde klar. Tsokos schildert Irrtümer, die im Laien durch das Fernsehen entstehen und erklärt die Grundlagen seiner Arbeit. Ohne dabei Langeweile zu erzeugen, zeigt er wie trocken sein Handwerk doch eigentlich ist.

Spektakuläre Fälle

Viel interessanter wirkt hingegen die Darstellung der einzelnen zwölf Fälle. Bei den meisten von ihnen stellt sich letztendlich heraus, dass es sich um einen Suizid handelt. Tsokos lässt auch keinerlei Zweifel daran, dass diese in der Realität bei weitem überwiegen. Manchmal jedoch sind es auch brutale Gewaltverbrechen, die es wert sind, erzählt zu werden. Ein Junge beispielsweise misshandelt ein Mädchen und verscharrt es, um sich anschließend an der Suche nach ihr zu beteiligen. Interessant wirkt auch die Darstellung eines fünfhundert Pfund schweren Leichnams, den man nur per Vorschlaghammer aus der Wohnung bekommt, da die Leichenstarre bereits eingesetzt hat. Zu der einfühlsamen Schilderung und dem Respekt den Opfern gegenüber gesellt sich auch noch die Tatsache, dass einige Geschichten offenbleiben. Um wirklich hinter jeden Fall zu steigen, fehlen uns Menschen die Mittel und so bleibt nach wie vor vieles im Verborgenen. Ein Aspekt, der unsere Fantasie wohlmöglich zur Herausbildung noch finsterer Geschichten anregt.

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