...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt
19.März
2013

Michael Tsokos – Die Klaviatur des Todes

Benjamin Jendro

Tsokos - Die Klaviatur des TodesWenn Gerichtsmediziner Michael Tsokos seine alltäglichen Gebrauchsgegenstände auf den Seziertisch packt, kann das durchaus auch einmal so aussehen wie es die Filme um den Kannibalen Hannibal Lecter vermitteln wollen. So wirklich viel gemeinsam hat das Werkeln eines Gerichtsmediziners mit demjenigen, das Hollywood sonst präsentieren möchte, aber nicht. Schon in seinem ersten Werk „Dem Tod auf der Spur“ hat Tsokos daran keine Zweifel aufkommen lassen. Die Ermittlungen des CSI sind durchaus unterhaltsam, der Realität entsprechen sie nicht. Häufig ist diese weder schwarz noch weiß, sondern eher grau. Ebenso trist ist der gewöhnliche Arbeitstag des Charité-Mediziners. Manche aber bringen dann doch ein wenig Spannung mit sich. Von den brisantesten erzählt uns der Autor durch die Stimme David Nathans in „Die Klaviatur des Todes“.

Authentisch, weil real passiert

Tsokos großes Plus war schon in den ersten beiden Sammelbänden ein besonders hoher Faktor an Authentizität. Beim letzten Projekt „Abgeschnitten“ tat er sich mit Thrillerautor Sebastian Fitzek zusammen und schuf einen durchaus lesenswerten Roman. Das lag auch daran, weil der Hauptakteur Paul Herzfeld ohne Frage den einen oder anderen Wesenszug des Autors übermittelt bekam. Im neuen Band nun kehrt der Autor zu seinen Wurzeln zurück und berichtet von neuen interessanten Fällen. Gepaart mit der Aufdeckung medizinischer Mysterien und einem guten Einblick in das Handwerk eines Rechtsmediziners sind es gerade die realen Verbrechen unserer Gesellschaft, die interessanten Literaturstoff in sich tragen.

Ein Teil des Ganzen

Während Jurist Ferdinand von Schirach, der in einer ähnlichen Art über seine Arbeit schreibt, eher ausschmückend und insofern literarisch hochwertiger agiert, versucht der Wahlberliner einzelne Fälle keinesfalls zu umschreiben. Seine größte Qualität ist die klare Analyse, wenngleich sich dabei während der Ermittlungen manch verborgenes Rätsel ergibt. Interessant ist das vor allem, weil wir von einigen seiner Fälle gehört, manche sogar in den Nachrichten verfolgt haben. Vor knapp zwei Jahren beispielsweise wurde in der Berliner Spree eine zerstückelte und mit Tätowierungen übersäte Leiche gefunden. Wochenlang suchte die Polizei nach einem Täter, Tsokos und seine Kollegen trugen ihren Teil zum Ermittlungserfolg bei. Auch darum macht er keinen Hehl. Des Rätsels Lösung wird nie allein von Rechtsmedizinern gefunden, kein Fall nur durch sie gelöst. Vielmehr liefern sie das eine oder andere Puzzlestück, das seinen Anteil am Gesamten trägt.

0