...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt
18.März
2016

Elke Heidenreich – Alles kein Zufall

Benjamin Jendro

Elke Heidenreich - Alles kein ZufallSie ist Hessin, Schriftstellerin, Moderatorin, Journalistin, Librettistin und auch Kulturkritikerin. Darüber hinaus – fast hätte ich es vergessen – auch eine begnadete Kabarettistin. Ja, Elke Heidenreich kann viel und ist vieles. Die Tochter eines Kfz-Mechanikers hat es weit gebracht in unserer kulturellen Welt und sich seit Jahren in den verschiedensten Bereichen als feste Größe etablieren können. Man hört ihr einfach gerne zu. Möglich ist das neuerdings auch bei „Alles kein Zufall“. Das Sammelsurium aus kurzen Geschichten zeigt viele der Qualitäten. Selbstverständlich hat die Künstlerin die 224 Minuten Hörbuch selbst eingesprochen.

„Alles kein Zufall“ ist ein Hörbuch über Vögel

Jedes Hörbuch lebt davon, dass die Stimme des Erzählers zu dem passt, was erzählt wird. Bei Elke Heidenreichs „Alles kein Zufall“ kann man das schon mal abhaken. Grundsätzlich ist der Unterhaltungswert auch von der Gesamtkomposition, der ordentlichen Struktur der Erzählung abhängig. Auch das muss man in diesem Fall bejahen. Nicht nur, weil die einzelnen Kapitel auf den drei Hörbuch-CDs dem Alphabet nach angeordnet und benannt sind. Letztlich thematisieren die Geschichten vor allem eines – Vögel. Es sind eigensinnige Flügelbesitzer, bunte und unterschiedliche.

Die Höhen und Tiefen des Lebens – Das ist „Alles kein Zufall“

Gemeint sind mit den vielen Vögeln natürlich nicht die wirklichen Vögel, sondern Menschen, die letztlich machen, was sie wollen und nicht was sie sollten. Heidenreich skizziert ein immenses Portfolio an breitgefächerten Charakteren und zeigt, wie variabel das Leben verläuft, wie viele positive und negative Wendungen es nehmen kann. Interessanterweise verfolgt sie dabei einen deterministischen Ansatz. Das ist nämlich, wenn man mal genauer hinschaut „Alles kein Zufall“. Das kann man so sehen, muss man sicher nicht. Klar ist aber auch, dass die Autorin Elke Heidenreich dank ihrer von Zuneigung und Wärme geprägten Sprache gute Argumente dafür liefert, dass man ihr Glauben schenkt und sich so irgendwie nach und nach dem hingibt, was sie da vorstellt.

0
11.März
2016

Michael Tsokos – Zerschunden

Benjamin Jendro

Tsokos - ZerschundenDie spannendsten Thriller und Kriminalromane stammen von Autoren, die aufgrund ihres beruflichen Backrounds ganz genau wissen, wovon sie berichten. Zum einen ermöglicht es ihnen die tägliche Arbeit, Fälle kennenzulernen, von deren Elementen ihre späteren Werke profitieren und auf denen sie häufig auch basieren. Zum anderen bringen sie aufgrund ihrer enormen Fachkompetenz das nötige Wissen mit, um etwas authentisch und zugleich fachlich korrekt aufzuschreiben. Michael Tsokos ist das allerbeste Beispiel. Seine bisherigen Schriften realer und fiktiver Natur waren allesamt sehr spannend. Das gilt auch für seine neue True-Crime-Reihe um Rechtsmediziner Fred Abel. „Zerschunden“ ist der erste Teil – er wird von Simon Jäger gelesen. Anfang April erscheint mit „Zersetzt“ die Fortsetzung.

Zerschunden – Ein Mörder, der eine Botschaft hinterlässt

In Berlin wird eine Rentnerin Opfer eines Raubmordes. Ein dunkelhäutiger Halunke ist ihr hinterhergelaufen, hat sie in die Wohnung gestoßen, getötet und Hab und Gut mitgehen lassen. Es riecht nach einem typischen so genannten Nachläufer, doch eine sonderbare Botschaft lässt Böses erahnen. Auf ihrem Leib steht „Respectez Asia“. Das ist nicht nur grammatikalisch falsch, sondern auch jene Botschaft, die sich später in „Zerschunden“ auch auf der Haut einer Britin und einer Italienerin findet – ein Serientäter. Fred Abel, Rechtsmediziner und ein Guter seiner Zunft, wird mit dem Fall betraut und steigert sich aufgrund einer persönlichen Bindung zum Hobbyermittler. Ein Kumpel aus der Bundeswehrzeit scheint als Täter in Frage zu kommen, hat kein Alibi, passt auf die Beschreibung und den Haplotypen, den Abel vom Täter rekonstruieren konnte, wenngleich das lediglich die Auswahl an potenziellen Mördern einengt, jedoch keinesfalls auf nur einen hinweist.

„Zerschunden“ von einem Psychopathen

Angesprochener Lars Moewig gilt als Raubein, der anders als Abel nach der Bundeswehr nicht richtig den Anschluss fand. Er war zu den jeweiligen Tatzeiten in Berlin und auch in London. Dass er auf das Profil passt, reicht Polizei und Staatsanwaltschaft, um ihn hinter Gitter zu bringen. Das kommt zum sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn seine kleinen Tochter Lilly leidet an Leukämie, hat nur noch wenige Tage zu leben. Abel verspricht seinem Kumpel, an dessen Unschuld er auch etwas zweifelt, sein Bestes zu geben. Genau das erleben wir dann auch. Er jettet dem Täter hinterher. Den vierten Mord begeht er in Paris und exakt da kommt es auch zum Showdown zwischen dem Psychopathen, der in „Zerschunden“ sein Unwesen treibt und einem Protagonisten, bei dem man nicht zu Unrecht Tsokos selbst vor Augen hat.

0
4.März
2016

Anna Todd – Before Us

Benjamin Jendro

Todd - before usDamit konnte man jetzt nicht so wirklich rechnen. Natürlich schien es klar, dass Erfolgsautorin Anna Todd ihre Bestseller-Reihe „After“ nicht ihr einziges literarisches Erzeugnis bleiben. So darf sich ihre große Fanbase auf drei weitere Werke freuen. Was mich persönlich ein wenig überrascht ist der Umstand, dass sie im Stile von E. L. James ihre Reihe nachträglich erweitert, ein sogenanntes Prequel geschrieben hat. So erzählt „Before Us“ gemäß des Titels von der Zeit, bevor Tessa und Hardin zueinander finden. Interessant für alle, die die Reihe bereits lieben gelernt haben und eine äußert gute Einstiegsmöglichkeit für alle, die sich auf das Lektüreabenteuer einlassen möchten.

Tessa und Hardin – Zwei unterschiedliche Personen, die eins werden

Anna Todd ist ganz zufällig mein Jahrgang, doch anders als ich scheint sie tief von den Highschool-Romanzen der 90er-Jahre geprägt worden zu sein. Nun saß die Texanerin natürlich auch direkt an der Quelle und war so ein Teil jener Welt, die uns Hollywood stets mit viel liebevoller Atmosphäre abzubilden versuchte. Anna Todd hat die mehr oder minder gemachten Erfahrungen für eine recht erfolgreiche Liebesreihe verwenden können. Die Liebschaft zwischen Tessa – dem jungen, unerfahrenen Mädchen, was nach Washington kommt, um dort das Studium zu beginnen – und Hardin – der Rüpel, der reihenweise Frauen um den Verstand bringt und macht, was er will – hat sie auf vier Bände ausgedehnt. „Before Us“ erzählt nun, wie das Leben des Bad Boys vorher war.

Before Us – Zehn Stunden, die Hardin gewidmet sind

Sprecher Martin Bross agiert als Hardin und verleiht ihm genau diejenige Stimme, mit der wir diesen Harry-Styles-Verschnitt assoziiert haben. „Before Us“ zieht sich über mehr als zehn Stunden. Das mag lang erscheinen, vergeht aber wie im Flug, weil wir ein sehr ambivalentes Charakterbild zu hören bekommen. Im Spin-off wird sein Leben vor Tessa durchleuchtet, zugleich aber auch, wie sich beide kennengelernt haben und was er darüber denkt. Schon jetzt sei einmal vorgemerkt, dass mit „Nothing More“ und „Nothing Less“ zwei weitere Geschichten zu dem Spektrum bereitstehen. Hier schaut Anna Todd auf Landon, Tessas besten Freund und Hardins Stiefbruder, der in New York sein Glück sucht.

0
26.Februar
2016

Jojo Moyes – Über uns der Himmel, unter uns das Meer

Benjamin Jendro

Moyes - Über uns der Himmel, unter uns das MeerGanz ehrlich: Niemand, der schon einmal einem Hörbuch von Jojo Moyes gelauscht hat, dürfte beim Titel ihres aktuellen Stücks verwundert sein. Die Britin steht für einfühlsame Lektüre und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der letzten Jahre. Ihre Romane, in denen es stets um besondere Schicksale von allgemeingültiger Natur ging, haben allesamt mir sehr viel Gefühl und Authentizität überzeugen können. So ist es auch bei „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ – einer Geschichte über eine Frau, die nicht loslassen, aber auch nicht bleiben kann.

Sie befinden sich auf dem Meer und über ihnen ist der Himmel

In den 490 Hörbuchminuten, bei denen Luise Helm die Zeilen von „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ eingesprochen hat, geht es um eine Schiffsreise, die Jahrzehnte vor unserer Zeit liegt. Es ist das Jahr 1946. Der Weltkrieg ist vorüber, doch noch immer zeigen sich die Folgen der verheerenden Auseinandersetzungen an allen Ecken. 600 Frauen sollen von Australien nach Großbritannien reisen, zurück in ein Leben mit Ehemann oder Verlobtem. Unter den Reisenden sind auch eine 16-Jährige namens Jean, eine Farmertochter namens Maggie und die aus betuchtem Hause stammende Avice. Viele von ihnen wissen gar nicht, was sie erwartet. Zu tiefe Wunden hat der Krieg verursacht, zu viel Unklarheit in das Leben aller gebracht. Am deutlichsten spürbar wird das bei Protagonistin Francis, die mit den anderen drei in einer Kajüte schläft.

In „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ finden sich zwei Gleichgesinnte

Anders als die anderen lässt Francis nur wenig Gefühle nach außen dringen. Sie verschließt sich sämtlichen Gesprächen, lässt niemanden an sich heran. Einzig ein Marineoffizier scheint Zugang zu ihr zu finden. Nur besagter Kapitän Henry Nicols versteht sie. Das liegt auch daran, dass er der einzige Akteur in „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ ist, der ähnlich schreckliche Erfahrungen hinter sich hat wie Francis. Auf dem Schiff werden beide davon eingeholt, wobei nie ganz klar ist, ob sie wirklich wieder zurück in ihr altes Leben wollen.

0
20.Februar
2016

Umberto Eco – Nullnummer

Benjamin Jendro

Eco - NullnummerNatürlich gehört das Sterben zum Leben dazu. Sicher es ist nicht Teil des Lebens, sondern vielmehr das Ende. Doch wir machen uns während des Lebens schon mit dem Tod bekannt, erwägen ihn als Option, setzen uns mit ihm auseinander. Wenn ein Mensch mit 84 aus dem Leben scheidet, wenn er stirbt, dann scheint es der natürliche Lauf der Dinge. 84 Jahre sind ein stolzes Alter. Ein langes Leben, auf das man stolz zurückblicken kann. Dennoch aber gibt es Tode, die ein Loch hinterlassen, nach denen eine Lücke klafft. Genau diese hat sich mit dem gestrigen Tod von Umberto Eco aufgetan. Einer der größten Literaten unserer Zeit hinterlässt viele traurige Leser. Denn er hat auch im hohen Alter, trotz Krebs, noch ein wahnsinnig hellen Kopf gehabt, was in seinem letzten Werk „Nullnummer“ mehr als deutlich wurde.

Ein Autor mit ganz besonderer Schreibweise

Eco, der Knabe aus Piemont war immer ein Autor, der mit dem Leser spielte, ihn zu wahnsinnig anspruchsvollen Denkleistungen animierte. Ja, so eine Schrift wie „Das Foucaultsche Pendel“ konnte niemand mal eben so im Vorbeigehen durchwälzen. Diesen Glanz, diese ganz eigenwillige Schreibweise erhielt er sich auch nach dem Millennium, verwirrte uns mit „Der Friedhof in Prag“ auf ein Neues. Sprachästhet Eco stand immer für die besonderen Schriften. In „Nullnummer“ widmete er sich dem Zeitungswesen und transferierte den Hang zur Verschwörungstheorie auf den von ihm wissenschaftlich vielfach untersuchten Bereich der Medien.

Nullnummer – Diese Zeitung wird nie veröffentlicht

Als Zuhörer von „Nullnummer“ wird man in den Mailändischen Sommer des Jahres 1992 zurückversetzt. Irgendwer hat bei Journalist Colonna eingebrochen und nach einer wichtigen Diskette gesucht. Gefunden hat der Eindringling sie nicht, doch Colonna wird klar, dass er in großer Gefahr schwebt. Sein Doppelleben könnte sich als Spiel auf des Messers Schneide erweisen. Gemeint ist die Mitarbeit an einer Zeitung, die es nie geben soll, die ein Experiment darstellt und die Vernetzung von Medien und Politik offenbart. Wer beim Verleger Vimercate an einen Herren namens Berlusconi denkt, ist ein Schelm, der aber nicht den schlechtesten Weg wählt. In den sechs Stunden Hörbuch, die Felix von Manteuffel mit Bravour erzählt, zeigt sich, wie korrupt und wie perfide das Zusammenspiel funktioniert. Es ist ein typischer Eco-Roman, der natürlich auch den Vatikan, die Geheimloge P2 und die Mafia in die Erzählung integriert.

0
18.Februar
2016

Kirsten Boie: Thabo – Detektiv & Gentleman. Der Nashorn-Fall

Gisela Blank

thaboSanibonani! Thabo Sonnyboy Shongwe heißt die neue Kinderbuchfigur von Kirsten Boie, und der aufgeweckte Junge will eines Tages ein echter Gentleman werden. Oder noch besser: Privatdetektiv. Denn wie ein Detektiv ermitteln muss, weiß er aus alten Miss Marple-Filmen. Dumm nur, dass es im beschaulichen afrikanischen Örtchen Hlatikulu noch nie einen Kriminalfall gab. Doch dann wird im angrenzenden Safaripark ein Nashorn wegen seines kostbaren Horns ermordet und es liegt an Thabo und seinen Freunden Emma und Sifiso, den Nashorn-Mörder aufzuspüren. Denn zunächst gerät sein Onkel Vusi, der in der Lion Lodge als Ranger arbeitet, unter Verdacht …

Mit der abenteuerlichen Verfolgungsjagd durch die afrikanische Savanne entführt Kirsten Boie in „Der Nashorn-Fall“ ihre jungen Leser (und Hörer) zum ersten Mal in das südafrikanische Swasiland. Dort ist die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin seit Jahren mit ihrer „Möwenweg-Stiftung“ in einem Projekt für AIDS-Waisenkinder engagiert. Obwohl es den meisten Kindern in dem Land alles andere als gut geht, erzählt Kirsten Boie unbefangen und voller Witz und Humor die Geschichte von Thabo und seinen Freunden. Ihr Anliegen ist es, Interesse für Afrika zu wecken, und das gelingt ihr mit dem spannenden Krimi für Kinder ab 10 Jahren definitiv.

Einen großen Anteil daran hat beim Hörbuch der junge Sprecher Hendrik Kleinschmidt. Der Schüler gewann 2014 den Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und hat mit „Thabo – Detektiv & Gentleman“ sein erstes Hörbuch komplett gesprochen. Das macht er lebendig und frech; das Augenzwinkern des Ich-Erzählers bringt er mühelos in die Lesung ein. Da kann man nur sagen: Salani kahle (= Auf Wiedersehen), wir wollen künftig mehr von Thabo hören!

0
12.Februar
2016

Robert Galbraith – Die Ernte des Bösen

Benjamin Jendro

Galbraith - Die Ernte des BösenSpätestens mit ihrem dritten Kriminalroman um Detektiv Cormoran Strike – ein Afghanistan-Veteran – gelingt es Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling sich endgültig des Vorwurfs, auf Ewigkeit nur mit Geschichten um den Zauberlehrling Erfolg haben zu können, zu entledigen. Aus meiner Sicht ist ihr das bereits mit „Der Ruf des Kuckucks“, bei dem sie erstmalig unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasste, gelungen. Jetzt dürften das auch die letzten Kritiker akzeptieren müssen, denn „Die Ernte des Bösen“ ist ein rasanter Krimi mit einer zunächst sehr undurchschaubaren Entwicklung. Er besticht mit viel Spannung, guter stilistisch passender Wortwahl und zwei grandiosen Akteuren.

Eine Postsendung, die selbst Strike und Ellacott verwirrt

Cormoran Strike ist in seinem dritten Fall „Die Ernte des Bösen“ bereits ein alter Hase, den genau genommen nicht mehr allzu viel schockieren kann. Ein abgetrenntes Frauenbein aber schon. Genau so eines geht bei ihm ein. Als seine Assistentin Robin Ellacott den Posteingang öffnet, fallen demnach beide fast in Ohnmacht. Nach einem kurzen Moment der spürbaren Beunruhigung fängt sich der Kriegsveteran und grübelt in alter Sherlock-Holmes-Manier gleich, wer der Absender sein könnte und sich hier einen üblen Scherz erlauben möchte. Gleich vier Kandidaten aus seiner Vergangenheit kommt in Frage. Einer ganz besonders. So hat die Polizei auch schnell einen potenziellen Tatverdächtigen ausgemacht. Leider einen, bei dem das Ziel, den Täter zu finden, in weitere Ferne rückt.

Die Ernte des Bösen bringt das Ermittler-Duo in große Bedrängnis

Skrupellos und sicher auch zu solcher Grausamkeit fähig ist jeder aus dem Quartett, doch Strike und Ellacott, die einmal mehr in Dr. Watsons Fußstapfen tritt, haben schnell eine ganz andere Richtung als die Polizei. Gemeinsam begeben sie sich in finstere Gassen auf die Spur von drei Kerlen, die in düsteren Welten beheimatet scheinen. Wer Galbraith schon mal gelesen hat, weiß, dass es folglich nicht bei einem einzigen Zwischenfall in Form des abgetrennten Bein bleibt. „Die Ernte des Bösen“ ist viel weitreichender. Weitere Grausamkeiten suchen London heim und führen Strike und Ellacott immer weiter mitten in die Gefahr hinein. Galbraith gelingt es, dies in einer bisher gar nicht so erkennbaren Schärfe darzustellen. Sprecher Dietmar Wunder (die deutsche Synchronstimme von 007 Daniel Craig) sorgt für den Rest.

 

0
8.Februar
2016

Rita Falk – Leberkäsjunkie

Gisela Blank

leberkaesjunkieUnter den beliebten Regionalkrimis gehören Rita Falks Fälle mit dem Eberhofer Franz zu den erfolgreichsten Reihen. In „Leberkäsjunkie“ begibt sich der Polizist aus dem niederbayerischen Niederkaltenkirchen bereits zum siebten Mal auf unterhaltsame Verbrecherjagd. Dabei muss der grantige Ermittler, geschwächt durch eine strenge Diät (erhöhte Cholesterinwerte!), den rätselhaften Mord an einem Gast der Mooshammer Liesl aufklären. Ist tatsächlich Buengo, der Stürmer des FC Rot-Weiß Niederkaltenkirchen, in den Fall verwickelt?

Bei Rita Falks Eberhofer-Krimis sind die Hörbücher tatsächlich besser als die Buchvorlage – dank des brillanten Sprechers Christian Tramitz, der mit seinem Dialekt die niederbayerische Sippschaft um den Kommissar – Oma, Bruder, Papa usw. – einfach genial vertont. Gerade die oft deftigen Dialoge setzt er kongenial um, grantelt, juchzt und krakeelt, dass es eine Freude ist. Rita Falks doch recht einfache Sprache bleibt so in Hörbuchform zwar leichte Kost, ist aber höchst vergnüglich anzuhören. Einfach a Mordsgaudi!

0
4.Februar
2016

Jo Nesbø – Das Versteck

Benjamin Jendro

Nesbo - Das Versteck hbEs ist keinesfalls leicht, wenn der Erfolg einen verwöhnt, sich von den Garanten für ebendiesen zu lösen. Im Fall des norwegischen Schriftstellers Jo Nesbø mag es den mit Kriminalromanen bestens bekannten Leser schon ein wenig verwirren, dass der Protagonist nicht Harry Hole heißt. Im ersten Werk seiner neuen Blood on Snow Reihe, „Der Auftrag“, hat er aber durchaus unter Beweis gestellt, dass er auch anders und ohne den beliebten Ermittler schreiben kann. „Das Versteck“ ist die Fortsetzung des ersten Bandes, der Akteur wechselt, ist jetzt nicht mehr Profikiller, sondern Geldeintreiber. Der Spannungsfaktor aber ist nahezu unverändert und sagenhaft hoch.

Das Versteck – Wenn der Kleinkriminelle seinen großen Boss betrügen will

Ulf ist unzufrieden mit seiner Gesamtsituation. Sein Lohn, den er als Geldeintreiber für den „Fischer“ verdient, ist zwar schnell gemachtes Geld. Letztlich aber nur ein Bruchteil des Möglichen. Als er das endlich erkennt, reift ein Plan in ihm. Er möchte den „Fischer“, wohlgemerkt der mächtigste Drogenboss in ganz Oslo, über den Tisch ziehen. Es ist nicht überraschend, dass dieser davon herzlich wenig hält und sofort die Jagd auf seinen früheren Mitarbeiter eröffnet. Weil der „Fischer“ ihm sämtliche Killer auf den Hals hetzt, benötigt der Gejagte „Das Versteck“, das sein Leben garantiert.

„Das Versteck“ ist rasant, prickelnd und ultraspannend

Er hat weniger Intelligenz, eigentlich nicht den Mut und auch nicht das Knowhow, wie man so einen Plan tatkräftig umsetzt. „Das Versteck“ ist ein typischer Fall von Größenwahn. Eine Geschichte, in der sich der kleine Wicht gegen den alles Überragenden auflehnt. Eigentlich ein ungleicher Kampf. Doch Ulf entpuppt sich als Charakter, mit dem der Zuhörer sich im Verlauf der sechs Stunden Erzählung immer mehr anfreundet und teilweise identifiziert. Es steckt nämlich noch einiges mehr in ihm, als das, was man ursprünglich vermutet hat. „Das Versteck“ ist ein prickelnder Thriller über Ganoven mit sehr viel Tempo und reichlich spannenden Elementen. Simon Jäger erweist sich als geübter Sprecher und sorgt für riesige Unterhaltung.

0
29.Januar
2016

Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs

Benjamin Jendro

Bibi und Tina 3Benjamin Blümchen ist das Idol meiner Kindheit. Der sprechende Elefant mit ganz elefantastischen Fähigkeiten und mindestens genauso vielen Ängsten war nicht nur am Abend als Hörspiel ein stetiger Begleiter. Ich weiß mittlerweile, dass es ein weibliches Pendant zu ihm gibt. Eine kleine Hexe namens Bibi Blocksberg, die genauso beliebt ist wie er und Kindern beim Einschlafen hilft. Eine Sparte ihres breiten Kosmos sind die Abenteuer mit Tina, bei denen es vorrangig um Pferde geht. „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“ ist eine ihrer Geschichten und mittlerweile der dritte Auszug aus der Hörbuchreihe, der es auf die Leinwand schafft.

Neues von Bibi & Tina

Bibi und Tina auf Amadeus und Sabrina – Mit jener Zeile beginnt jedes Abenteuer der beiden. So auch das 76-minütige Hörspiel „Bibi & Tina: Mädchen gegen Jungs“, das Kultregisseur Detlev Buck nun für den Kinozuschauer produziert hat. In diesem nehmen die beiden unzertrennlichen Freundinnen natürlich wieder einmal die Hauptrollen ein. Es geht um einer interessantes Feriencamp, bei dem sich alles rund um den Trend Geocaching dreht. Tinas Schule hat da nämlich ein Zeltlager vorbereitet, in dem die moderne Schatzsuche zum Thema Nummer eins erhoben wurde. Dumm nur, dass der uralte Zwist zwischen den Geschlechtern die ganze Urlaubslaune auf den Kopf stellt.

Nix mit hex hex

Alles beginnt mit einem simplen Streit zwischen Tina und ihrem Freund Alexander. Bibi ist natürlich auf der Seite ihrer Freundin, Alex aber bekommt ebenso tatkräftige Unterstützung vom Gastschüler Urs. Dieser heizt die Stimmung mit abgedroschenen Sprüchen weiter auf, sodass das Fass schnell zum Überlaufen gebracht wird. Es entwickelt sich ein Wettstreit, bei dem es nicht immer mit rechten Mitteln zugeht. Bibi ist da selbstverständlich im Vorteil, doch auch ihre Hexenfähigkeiten setzen schon mal aus. So muss es andere Wege geben, um den schmutzigen Tricks entgegenzuwirken. So viel sei verraten: Eine Hexe wäre keine richtige Hexe, wenn sie nicht stets eine Lösung finden würde.

0