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10.Juni
2014

John Dickie – Omerta

Benjamin Jendro

Dickie - OmertaMan meint als geübter Kinogänger das Ausmaß der Mafia komplett überblicken zu können. Ohne Frage hat die Verfilmung von Mario Puzos „Il Padrino“ der Gesellschaft das Thema nähergebracht. In der Realität lässt sich das Phänomen Mafia aber nicht mehr auf das kleine sizilianische Dorf Corleone beschränken, das im Übrigen bei einem Besuch alles andere als mafiös erscheint. Nein, die Mafia oder das, was wir als Mafia bezeichnen, hat sich längst zu einem Geflecht entwickelt, in welchem es nicht nur um Gefallen und deren gegenseitige Erbringung geht, sondern um die brutale Wirklichkeit von Drogengeschäften, Menschenhandel, Mord, Korruption und Glücksspiel. Autoren wie John Dickie leisten einiges, um das gigantische Ausmaß zu verdeutlichen. Mit „Omerta“ haben wir einen guten Überblick dessen, was die Mafia heute alles beeinflusst.

Omerta – Fünf Stunden geballte Mafiageschichte

Mehr als dreihundert Minuten umfasst das Hörbuch, in dem Dickies Bestseller von Gordon Piedesack gesprochen wird. Sie informieren den Zuhörer über die Geschichte der drei großen Mafiaorganisationen, ihre Herkunft, den individuellen Werdegang und den heutigen Einfluss auf das globale Gefüge. Die Kreise der Cosa Nostra, Camorra und Ndrangheta haben sich längst über die Grenzen Italiens hinweg ausgedehnt. Heute, das macht Dickie schnell klar, leiten sie die Geschicke in ganz Europa, Nordamerika und selbst in Australien.

Omerta – Hier wird nichts verschwiegen

„Omerta“ bedeutet ins Deutsche übertragen das Schweigen. Über die Mafia und ihre Taten schweigt man, man verrät nichts und niemanden. Zahlreiche Akteure haben die „Omerta“ in der Vergangenheit gebrochen oder sie angetastet. Die Meisten von ihnen haben dafür mit dem Leben bezahlt und nebenbei auch mit dem ihrer Liebsten. Recherchefleißige Enthüllungsjournalisten wie Roberto Saviano („Zero Zero Zero“) oder eben John Dickie lassen sich davon nicht einschüchtern und geben uns so einen Überblick über die wahre Situation, die in dieser Form eben zumeist lieber verschwiegen wird. So bekommt der Unwissende mal ein paar Informationen über die Bereiche, die bereits fest in den Händen der Mafia sind, ihre Strukturen und ihre Strategien. So viel sei verraten – Wer dieses Hörbuch hört, wird seine Sicht auf unsere Welt verändern.

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3.Juni
2014

Sylvia Day – Eine Frage des Verlangens

Benjamin Jendro

Day - Eine Frage des VerlangensSylvia Day ist schon seit einiger Zeit nicht mehr von der literarischen Bühne wegzudenken. Die Kalifornierin mit japanischen Wurzeln hat bereits so manches Werk hervorgebracht, das dem Leser prickelnde Liebesgeschichten vorsetzt. Insbesondere mit ihren Crossfire-Romanen hat die 41-Jährige auch hierzulande immens einschlagen können. Insofern gehören Schriften wie „Eine Frage des Verlangens“ zum absoluten Muss für alle Day-Fans und jene, die bisher nichts von der talentierten Schriftstellerin gelesen haben, aber endlich einmal so richtig gut unterhalten werden wollen. Das nämlich kann man getrost allen Erzählungen von Sylvia Day attestieren – Ganz gleich, ob man sich mit den Charakteren identifizieren kann, der Plot an sich ist stets bemerkenswert.

Eine Frage des Verlangens und nicht des Vertrauens

Ein bemerkenswertes Phänomen bei uns Menschen ist, dass wir stets zu dem zurückkehren, von dem wir uns einmal gelöst haben. Diese Sucht kennt jeder, wenngleich sie in verschiedenen Bereichen zu Tage treten kann. Es sind alte Verhaltensmuster, in welche wir zurückfallen, Orte, an denen wir einmal waren oder aber Menschen, von denen wir uns einst getrennt haben. Letzteres macht Elizabeth Hawthorne, die einst mit Marcus Ashford verlobt war, diesen aber wegen dem Verdacht der Untreue verlassen hat. Die erotische Spannung zwischen den Beiden war nie das große Problem. Das muss Elizabeth leidvoll erfahren, als sie sich nach Jahren wieder begegnen und sie sich Marcus in „Eine Frage des Verlangens“ erneut hingeben muss.

Eine Frage des Verlangens – Die Zeit lässt sich nicht zurückdrehen

Die Erinnerung an die frühere Liebe hat in Elizabeth einige Wunden aufgerissen. Ganz ohne Spuren ist auch Marcus nicht aus der Trennung herausgegangen. So sehr sich Elizabeth ziert, sie verfällt ihrem Verlangen und beginnt eine Affäre mit Marcus. Alte Liebe rostet nicht? Zumindest in diesem Fall scheint der Spruch komplett ins Schwarze zu treffen. Die gut zehneinhalb Stunden Hörbuch, in denen Michael Hansonis die Geschichte von Elizabeth und Marcus erzählt, werden garantiert prickelnd an die Ohren jedes Zuhörers dringen.

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27.Mai
2014

Umberto Eco – Der Friedhof in Prag

Benjamin Jendro

Eco - Der Friedhof in PragEr ist der Meister der verschlüsselten Literatur, denn niemand schafft es, den Leser oder Zuhörer mit seinen Schriften so zu verwirren, dass er oder sie komplett die Übersicht verliert. Der Italiener Umberto Eco hat dies sowohl in „Der Name der Rose“ als auch „Das Foucaultsche Pendel“ mit Bravour erreicht. Profitieren kann der Verschleierungsexperte vor allem davon, dass er im Bereich Verschwörungstheorien, Geheimbünde und Co. enormes Wissen angehäuft hat und so sämtliche Gruppierungen mit großer Authentizität in seine Geschichten einfließen lassen kann. Das ist ihm auch bei „Der Friedhof in Prag“ gelungen. Vom Stück sollte man sich keinesfalls abwenden, weil man mal kurz den Überblick verloren hat. Das gehört zum Programm Ecos dazu.

Der Friedhof in Prag ist Ausgangspunkt des Ganzen

Alle Werke Ecos beweisen, welch ausgebildetes Spektrum an historischer Fachkompetenz ihn zu seinen Schriften führt. Die fast 1000 Minuten lange Hörbuchfassung von „Der Friedhof von Prag“ beginnt im späten 19. Jahrhundert. Dort erwacht der Italiener Simonini in Paris, ohne sich an die Geschehnisse der vergangenen Tage zurückerinnern zu können. Um sich diese wieder ins Gedächtnis zu rufen, beginnt er Tagebuch zu schreiben und entgleitet dadurch in Richtung weit zurückliegender Vergangenheit. Interessanterweise kommentiert ein Unbekannter Simoninis Einträge während dessen Ruhephasen und entlarvt ihn als einen Fälscher, der eine bedeutende historische Rolle einnimmt und ihn in einen Zusammenhang bringt, in dem „Der Friedhof von Prag“ einen wichtigen Ort darstellt.

Der Friedhof in Prag zwischen Schein und Realität

Der Unbekannte, der Simoninis Tagebuch nutzt, um eigene Zeichen zu hinterlassen, trägt den Namen Dalla Piccola. Eigentlich sollte dieser sich in der Pariser Kanalisation befinden, wo ihn Simonini einst abgelegt hat. Was das Ganze so brisant macht, ist die Tatsache, dass der schreibende Abbe Dalla Piccola keine rekonstruierenden Antworten hinsichtlich der Ereignisse gibt, sondern selbst nach etwas auf der Suche ist. Folgt man der mehr oder weniger gemeinsamen Suche, entdeckt man, worum es in „Der Friedhof von Prag“ wirklich geht. Thematisiert wird eine zunächst ungefährliche Verschwörung, die schon bald ein immenses Ausmaß nimmt und die Historie markant ins Wanken bringt.

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20.Mai
2014

William Shakespeare – Hamlet

Benjamin Jendro

Shakespeare - HamletSein oder Nichtsein? – Das ist die Frage, die sich „Hamlet“, Prinz von Dänemark, stellen muss. Ohnehin scheint etwas in seinem Staate faul zu sein. Der Zuhörer von Shakespeares großem Werk, das für mich persönlich sein größtes überhaupt darstellt, erfährt recht schnell, was so alles falsch läuft. Der Prinz selbst aber steckt in einem perfiden Spiel voller Lug und Trug fest, ohne so richtig zu wissen, wer hier wen hinters Licht führt und ob die Geister, die zu ihm sprechen, Realität sind. Shakespeares „Hamlet ist sicherlich eine der tragischsten Figuren der Literaturgeschichte.

Hamlet – Eine Geschichte voller Macht, Liebe und Wahnsinn

Anlässlich Shakespeares 450. Jahrestag kam es zu einer Reihe neuer Hörbücher, die dem Meister des eindrucksvollen Schauspieles das Denkmal weiter in Zement gießen. „Hamlet“, das von Wolfgang Reichmann, Christiane Hörbiger und Christoph Bantzer eingesprochen wurde, ist eines der herausragenden Exemplare. Die 95 Minuten, in denen die einzelnen Akte mit viel Emotion an die Ohren des Zuhörers dringen, empfehlen sich für jeden, der die Geschichte des dänischen Prinzen, der Vater und Verstand verloren hat und am Ende erkennen muss, dass seine Liebsten dafür verantwortlich sind, mal in einem anderen Format vermittelt bekommen möchte. Liebe, Macht und Wahnsinn heißen die zentralen Gewürze, die alle Schauspiele Shakespeares so unterhaltsam machen und die natürlich auch festes Inventar bei „Hamlet“ sind.

Hamlet – Ein Getäuschter?

Es ist Claudius, der Bruder des ermordeten Herrschers und Hamlets Onkel, der anschließend die Krone an sich reißt und Witwe Gertrude erneut auf den Königinnenstuhl transferiert. Da dabei unlautere Mittel ergriffen werden, bewegt Hamlet zu einem Rachedurst, der in Wahnsinn kulminiert und alle Beteiligten ins Unglück stürzt. Für sein Stück orientierte sich Shakespeare an einer mittelalterlichen Erzählung aus dem Norden. 1602 erschien „Hamlet“ erstmals auf der Bühne, 1604 ging das Werk autorisiert in den Druck, schon in den 1590ern entstand der Ur-Hamlet. Niemand konnte ahnen, welche Geschichte Shakespeares Erzählung einmal nimmt. Sein Wert für uns heute ist aber definitiv unschätzbar hoch.

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13.Mai
2014

Andrea Camilleri – Das Netz der großen Fische

Benjamin Jendro

Camilleri - Das Netz der großen FischeNiemand auf der Welt braucht sich mehr einreden, dass Szenarien wie sie von Hollywood auf der gleichnamigen literarischen Grundlage von Mario Puzo dargestellt wurden, keinen Funken Reales in sich tragen. Genau betrachtet ist „Der Pate“ sogar noch eine Beschönigung dessen, was die reale Welt durchzieht. Das enge Netzwerk, mit welchem die Mafia das gesellschaftlich-globale Leben beeinflusst und kontrolliert, ist gar noch um einiges engmaschiger und gefährlicher. Nicht zuletzt hat der Ottonormalverbraucher das durch Enthüllungsjounalisten wie Saviano vor Augen geführt bekommen. Andrea Camilleri macht dies auf eine andere Art. Er schreibt keine enthüllenden Reportagen, sondern offenbart das Treiben der sizilianischen Cosa Nostra in Romanen, die unkommentiertes Geschehen verdeutlichen. Das gilt auch für „Das Netz der großen Fische“.

Das Netz der großen Fische – Sinngemäßer Titel für das Wirken der Mafia

Camilleri, der selbst in Sizilien auf die Welt gekommen ist und so seit den Kindheitsjahren mit dem alltäglichen Geschäft der Mafia in Kontakt steht, hat seinen Titel wie so oft nicht ganz zufällig gewählt. Wenn man in den Gassen seines Geburtsortes, dem kleinen Fischerdorf Porto Empedocle herumläuft, spürt man das selbstverständlich nicht. Ohnehin wird kaum ein Sizilientourist mit den Machenschaften in Kontakt kommen. Wer dort lebt, hat dies aber bereits verinnerlicht und meist auch akzeptiert. Das Unterwandern sämtlicher Institutionen gehört zum Geschäft dazu. Das erkennt auch Michele Caruso, Programmdirektor von RAI in Palermo. Dieser muss sich nach dem Mord an der Tochter eines hochrangigen Politikers ganz genau überlegen, was er wie in den Nachrichten darlegt.

Politik, Justiz und Medien

Es ist ein Wechselspiel, was die rund vier Stunden Hörbuch „Das Netz der großen Fische“ charakterisiert. Ein Wechselspiel zwischen Justiz, Politik und Medienwelt. Die einzelnen Protagonisten schieben sich den Spielball stetig zu, lassen aber zu keiner Zeit erkennen, in welchem Team sie spielen. Jeder Schritt ist vorher genau abgewogen, jedes Manöver eiskalt kalkuliert. Während der eine seinen Stuhl räumen muss, nimmt einer andere ihn ein. Scheinbar Unbeteiligte müssen mit dem Leben bezahlen und der Hauptverdächtige, der irgendwie komplett passiv bleibt, kommt ungeschadet raus. Viel Verwirrung summiert sich zu einem unetrhaltsamen Mafia-Kriminalroman, in welchem selbst Caruso keinen kühlen Kopf bewahrt und irgendwann auch erkennen muss, dass der Hase anders läuft als er es gedacht hat.

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6.Mai
2014

Die drei ??? – GPS-Gangster

Benjamin Jendro

Die drei ??? - GPS-GangsterEndlich ist es soweit – Die drei Fragezeichen kehren zurück und präsentieren sich in ihrem mittlerweile 168. Abenteuer so modern wie nie zuvor. Die Erfolgsgeschichte von Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews kann sich wirklich sehen lassen. 1968 erschien der erste Kriminalfall um das legendäre Dreigestirn. 25 Jahre später wurde die Serie in den USA zwar eingestellt. Hier in Deutschland aber hat sie auch danach noch große Wellen geschlagen. Fast 50 Millionen Tonträger wurden bisher verkauft. Klar, dass das Interesse an „Die drei ??? – GPS-Gangster“ da bereits vorab gigantisch groß war. In der Tat wurden die Fans, die in vielen Fällen bereits seit Jahrzehnten die Treue halten, nicht enttäuscht, denn Episode 168 kann sich sehen lassen.

Die drei ??? – GPS-Gangster: Modernes Element Geocaching

Handys und das gern genutzte Internet zählen seit geraumer Zeit natürlich auch zum Inventar des Detektiv-Trios. Derart modern wie in „Die drei ??? – GPS-Gangster“ hat man Justus, Peter und Bob aber bisher nicht gesehen. Das Team gewinnt in der Nähe der Heimat Rocky Beach einen angesehenen Geocaching-Wettbewerb. Das an sich dürfte für alle Hörer der drei Fragezeichen keine allzu große Überraschung sein. Dass ihnen dies in Rekordzeit gelang, ist dann aber schon mehr als eine Fußnote wert. Das bringt Deborah Rodman, die Veranstalterin des Wettstreits, auf die Idee, „Die drei ???“ mit einem Fall zu betrauen, der die Geocaching-Gemeinde und auch die Polizei seit einiger Zeit dumm dastehen lässt.

Die drei ??? – GPS-Gangster: Ein Verbrecher nutzt Koordinaten

Captain Skull heißt der mysteriöse Gangster, der Kunstgegenstände raubt und die Polizei vor ein großes Rätsel stellt. Er gibt ihnen die Chance, die Beute sicherzustellen. Dafür hinterlässt er eine tickende Uhr und Koordinaten. Allerdings sind die Angaben so verschlüsselt, dass es den Behörden bisher nur einmal gelang, das Versteck rechtzeitig zu entlarven. Das wirft auch ein dunkles Licht auf die Geocaching-Gemeinde. Inspektor Cotta ist zwar wie gewohnt nicht davon überzeugt, dass „Die drei ???“ kompletten Zugang zur Akte von Captain Skull bekommen sollen. Wieder einmal scheint es aber nur Justus, Peter und Bob möglich, den Verbrecher zu überführen.

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29.April
2014

Gabriel Garcia Marquez – Chronik eines angekündigten Todes

Benjamin Jendro

Marquez - Chronik eines angekündigten TodesGabriel Garcia Marquez war einer der ganzen großen Autoren. Vor allem war er einer der wenigen lateinamerikanischen Schriftsteller, die dem Rest der Welt die Szenerie jenes Fleckchens auf dem Erdball, der von uns weit entfernt liegt, näher brachte. Dafür nutzte Marquez sein großartiges Talent, einfühlsam, teilweise emotionslos und letztlich verdammt unterhaltsam zu schreiben. „Chronik eines angekündigten Todes“ ist eines der Zeugnisse seiner Wirkungskraft. Es ist eine Geschichte, die von Unsicherheit und einer rückständigen Dorfgemeinschaft berichtet und eine, die aufgrund ihres Titels nach dem Versterben des Künstlers eine eigenartige Note verliehen bekommt.

Eine Chronik von einem Tag

Beim Blick auf den Titel des dreistündigen Hörbuchs, das von Hanns Zischler gesprochen wird, erscheint es merkwürdig, dass Marquez lediglich das Geschehen eines einzigen Tages berichtet. Genau genommen geht es nur um eine Nacht und einen Morgen. Aus der Sicht eines 27-jährigen Erzählers erfährt man von einer bevorstehenden Hinrichtung. Die Brüder Vicario wollen den jungen Santiago Nasar dafür büßen lassen, dass er die Ehre ihrer Schwester Angela beschmutzt hat. Diese wurde von ihrem designierten Bräutigam Bayardo zurückgewiesen, da er sich der Jungfräulichkeit der Gattin nicht mehr gewiss war. Santiago soll dafür verantwortlich sein. Bis zum Ende von „Chronik eines angekündigten Todes“ lässt Marquez offen, ob er wirklich der Verursacher ist.

Keiner durchkreuzt die „Chronik eines angekündigten Todes“

Das hinterfragt auch kein einziger Dorfbewohner, der Erzähler mal ausgenommen, so richtig. Die Bevölkerung scheint wie in Trance, jeder weiß um die bevorstehende Tat, doch niemand möchte sie verhindern, jedenfalls nicht persönlich. Stattdessen aber scheinen alle zu hoffen, dass das bevorstehende Töten noch irgendwie gestoppt werden kann. Selbst die Brüder Vicario sind sich nicht sicher, ob sie Santiago wirklich töten sollen. Einzig ihr Pflichtbewusstsein ist Triebfeder für den Mord. Marquez lässt den Leser in das Dorf und die Köpfe seiner Bewohner schauen, legt ihm aber auch irgendwie eine Starre auf, die verhindert, dass wir eingreifen wollen. So plätschert die Zeit zwischen Ankündigung und abschließendem Vollzug so vor sich hin.

 

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22.April
2014

Felix J. Palma – Die Landkarte des Himmels

Benjamin Jendro

Palma - Die Landkarte des HimmelsNur wenige Schriftsteller haben es in den letzten Jahren derart geschafft mich zu faszinieren wie Mister Felix J. Palma. Nicht nur, dass er mit „Die Landkarte der Zeit“ einen Traum der Menschheit real werden lassen hat und die Bürger des späten 19. Jahrhunderts in die Zukunft reisen ließ. Nein, mit dem folgenden Band aus der Mapa-Trilogie, „Die Landkarte des Himmels“, hat er dies noch einmal getoppt. So wird im Mittelband ein weiterer großer Wunsch von uns Menschen real – Die Suche nach Leben in anderen Bereichen des Universums. Zentraler Protagonist ist wie schon in Band Numero Uno Herbert G. Wells, dessen Romane Palma so begeistert haben, dass er sie prompt als Aufhänger seiner eigenen Geschichten auserwählt hat.

Die Landkarte des Himmels – Wieder geht es um Herbert G. Wells

Wie schon im ersten Roman der Viktorianischen Trilogie spielt ein Schriftstück von Herbert G. Wells eine entscheidende Rolle bei Palma, der sich so als Fan des legendären Autors von „Die Zeitmaschine“ und „Krieg der Welten“ offenbart. Letzteres thematisierte die Invasion von Marsmenschen, die London binnen eines Tages in ihre Gewalt bringen. Aus diesem Plot macht Felix J. Palma in „Die Landkarte des Himmels“ eine dreiteilige Story, in der sich der Erzähler (im Hörbuch Stefan Kaminski) auch gerne einmal selbst präsentiert.

Wenn der Himmel nicht genug ist

Los geht es mit einer Expedition im Eismeer. Berichtet wird von einer Schiffscrew, die dazu aufbrach, den Eingang zum Mittelpunkt der Erde zu finden. Der plan geht zwar nicht auf, dafür aber werden sie Zeugen eines Ufo-Absturzes und erste Beobachter eines Lebewesens, das nicht vom Planeten Erde kommt. Weiter geht es mit Wells, der als Wirt für jenen Bruchpiloten fungiert und einem alten Bekannten die Bitte abschlägt, für die Liebe eine Invasion gemäß seines großen Werkes „Krieg der Welten“ zu inszenieren. Dass diese dann dennoch in einer vergleichbaren Dimension erfolgt, ist der Brückenschlag zum dritten Teil, in welchem Palma den Leser und Zuhörer von „Die Landkarte des Himmels“ mal wieder zum Staunen bringt.

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15.April
2014

Jenke von Wilmsdorff – Wer wagt, gewinnt

Benjamin Jendro

von Wilmsdorff - Wer wagt, gewinntJenke von Wilmsdorff ist für mich eine der prägendsten Personalien, die uns die Fernsehwelt momentan präsentiert. Mit seinen Reportagen hat sich der Journalist in der Vergangenheit in so manch brenzlige Situation gebracht. Seit ein paar Jahren nun hat er alltägliche Phänomene unserer Gesellschaft untersucht und an sich einige Selbstversuche unternommen. Dabei ging es ihm zumeist um Probleme, die Menschen betreffen. Dafür hat Jenke sich als Alkoholiker und Rentner im fortgeschrittenen Alter versucht, tagelang auf sein Augenlicht und das eigene Hörvermögen verzichtet. Was all seine unterhaltsamen Reportagen eint, ist die Tatsache, dass die Themen in all ihrem Umfang für uns Menschen, obwohl omnipräsent, häufig sehr unbekannt sind. Das lässt sich auch in seinem Werk „Wer wagt, gewinnt“ erkennen.

Wer wagt, gewinnt – Heraus aus dem Alltäglichen

Eines ist für alle Jenke-Reportagen klar – was er macht, ist wahrlich nicht alltäglich. Es wird zu viel Routine im Job des Journalisten gewesen sein, die ihn dazu animierte, stetige Abwechslung in seine Arbeit zu integrieren. Jenke von Wilmsdorff widersetzt sich jeglicher Routine. Ein Leben, das nur so dahinplätschert? Das ist nichts für ihn. Stattdessen möchte er Sachen ausprobieren, neue Facetten des Lebens kennenlernen und so den eigenen Horizont erweitern. Dazu rät er auch jedem mit „Wer wagt, gewinnt“ – einer Hommage an den Versuch, Abwechslung ins Leben zu bringen. Ob Jobwechsel, Angstüberwindung oder eine Diät. Wer wirklich etwas will, kann alles in seinem Leben erreichen.

Der erste Schritt ist entscheidend

In den 284 Minuten, die Jenke von Wilmsdorff gemäß seines Naturells gleich selbst eingesprochen hat, verschweigt der Autor auch nicht, wo das Problem liegt, wenn man etwas ändern möchte. Das Entscheidende bei allen Entscheidungen ist der erste Schritt. Wer diesen tätigt, öffnet sich alle Türen. Aus eigener Erfahrung und dank der vielen Experimente hat Jenke festgestellt, dass sich Hürden in den Weg stellen, die es zu überwinden gilt. Die größte ist zumeist die erste. Es obliegt uns, diese zu überspringen. Die Möglichkeit dazu steckt in jedem von uns. Wir müssen uns nur trauen, sie zur Entfaltung kommen zu lassen.

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8.April
2014

Veronica Roth – Die Bestimmung: Divergent

Benjamin Jendro

Roth - Die BestimmungIn dieser Woche wird ein Film in den Kinos erscheinen, der gerade die jugendliche Zielgruppe ansprechen sollte und der irgendwie schon deutlich an Collins „Die Tribute von Panem“ erinnert. Es scheint beinahe so, als haben Verfilmungen von Jugendbuchreihen derzeit eine wahre Renaissance und in der Tat ist der Stoff, der in den einzelnen Werken das Geschehen bestimmt, einer, von dem Hollywood profitiert. Immer häufiger werden junge Charaktere in Situationen gebracht, in denen sie einiges leisten müssen. Lebenswichtige Handlungen in Kombination mit altersbedingten Zweifeln an der individuellen Charakterentwicklung sind eine brisante Mischung. Das ist auch bei der Bestimmungs-Trilogie von Veronica Roth zu erkennen. Ihr erster Band „Die Bestimmung – Divergent“ hat einen sofort für die Reihe gewonnen.

Die Bestimmung – Eine Ordnung der Zukunft

Selbst, wenn die gerade einmal 25-jährige Autorin darauf besteht, keine Einflüsse aus Suzanne Collins Meistertrilogie bezogen zu haben und die Idee bereits während ihrer Studienzeit entstand, sind die Parallelen unverkennbar. Das macht „Die Bestimmung“ aber nicht weniger unterhaltsam. Während die Welt in Panem in Distrikte eingeteilt ist und aus diesen in jedem Jahr jeweils zwei Tribute an einer perfiden Variante der Olympischen Spiele teilnehmen müssen, erzählt Roth von einem Chicago der Zukunft, in welchem die Gesellschaft in fünf Fraktionen eingeteilt ist. Diesen wird jeweils eine Tugend der Menschheit zugeordnet. Altruan (die Selbstlosen), Candor (die Freimütigen), Amite (die Friedfertigen), Ken (die Gelehrten) und die Ferox (die Furchtlosen) leben in Einklang miteinander. Sobald man selbst 16 ist, muss man sich entscheiden, welcher Fraktion man zukünftig angehören möchte, welche Tugend man in sich trägt.

Die Bestimmung – sich selbst verleugnen?

Eine dieser 16-Jährigen ist Beatrice Prior, kurz Tris. Um eine Entscheidungshilfe zu erhalten, werden die Teenager einem Eignungstest unterzogen. Bei Tris jedoch ist das Ergebnis bemerkenswert. Nicht nur scheint sich keine Tugend bei ihr besonders hervorzuheben. Nein, sie trägt mehrere gemeinsam in sich. Ihre Prüferin Tori rät ihr, das nicht preiszugeben, schließlich winkt ihr dadurch der Status einer Fraktionslosen, die vom System wiedererwartend nicht gerne gesehen werden. Tris´ Bruder Caleb entschließt sich, den Ken beizutreten. Tris selbst wählt die Ferox. Schnell gewinnt sie in der neuen Familie einige Freunde. Um vollständig anerkannt zu werden, muss sie ein Initiationsritus durchlaufen, der darüber entscheidet, ob Tris und die anderen neuen Mitglieder bei den Ferox bleiben dürfen. Es sind die einzelnen Phasen dieser Prüfung, die ihr erstmals zeigen, wie brenzlig und weit vernetzt die Problematik ihrer Eigenschaft als Unbestimmte ist. Im Hintergrund, auch das wird im von Laura Maire gesprochenen Hörbuch deutlich, rumort es im Übrigen zwischen den einzelnen Fraktionen.

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