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12.März
2015

Martin Suter – Montecristo

Benjamin Jendro

Suter - MontecristoMartin Suter genießt bisweilen großes Ansehen im deutschsprachigen Literaturraum. Seine Romane werden als hochwertig eingestuft, seine Schriften beim Diogenes-Verlag synthetisiert. Das macht sie für den gemeinen Leser und Zuhörer immer auch etwas kostspielig. Im Regelfall aber lohnt sich die Investition, denn Suter liefert normalerweise wirklich recht anständige Lektüre. Vor allem gelingt es ihm zumeist, den momentanen Tonus der Gesellschaft zu treffen und Probleme zu thematisieren, die brandaktuell und ebenso interessant sind. Da sich das bei Martin Suter dann auch noch mit einer recht bemerkenswerten Sprachvielfalt kombiniert, macht auch den neuen Roman „Montecristo“ nicht gerade schlechter.

Montecristo ist eher ein Thriller – Suter auf neuem Terrain

Genau betrachtet ist „Montecristo“ eher ein Thriller und somit ein für Martin Suter eher ungewohntes Terrain. Dass er sich da wohlfühlt, kann man aber ab der ersten Minute der Hörbuchversion bemerken. Suter wagt einen Ausflug in das Schweizer Finanzwesen, das vor Korruption, Betrug und reichlich dunklen Machenschaften nur so überströmt. In diesem tüfteln Politiker und Börsenhaie ebenso mit wie ganz gerissene Geschäftsleute und einflussreiche Prominente. Sie alle wirft Martin Suter ins Rennen und schafft so ein munteres Ensemble an verschiedenen Figuren, die letztlich alle den großen Profit suchen. Mitten in diesem Netzwerk befindet sich ein Videojournalist, der eigentlich von einer großen Filmkarriere träumt und sich lieber einer lang ersehnten Lebensaufgabe widmen möchte. Es ist ein dubioser Glücksfall, dass besagter Jonas Brand plötzlich in den Fall seines Lebens stolpert und das bisher so langweilige Dahinvegetieren eines Mannes in den Vierzigern etwas Fahrt aufnimmt.

Ein Suizident und identische Scheine

Interessant wird das siebeneinhalb Stunden lange Hörbuch, das von Wanja Mues gelesen wird, als Suter von einem Bankangestellten spricht, der sich aus einem Zug gestürzt haben soll. Er soll, bestätigt ist das nicht. Ein heftiger Schubser kann ebenso für den Tod des Mannes verantwortlich sein. In diesem Zusammenhang tauchen Drogen auf, wohlgemerkt keine geringe Menge und dann noch etwas wirklich Seltsames. Zwei Hundertfrankenscheine sorgen für Aufsehen, tragen sie doch die identische Seriennummer. Turbulent erzählt und vor allem ab der zweiten Hälfte des Werkes sehr spannend dargestellt, ergibt sich mit „Montecristo“ so ein echt bemerkenswerter Thriller des Herrn Suter.

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4.März
2015

Luca di Fulvio – Das Kind, das nachts die Sonne fand

Benjamin Jendro

di Fulvio - Das Kind, das nachts die Sonne fand hbWochenlang schon habe ich auf dieses Hörbuch gewartet. Nun ist es endlich soweit und in einer guten Woche können auch Sie das Highlight des Frühjahrs vor die Ohren bekommen. Der italienische Kultautor Luca di Fulvio hat mal wieder ein wenig getüftelt und folgt mit seinem neuen Werk der zuletzt so erfolgreichen Schreibweise. „Der Junge, der Träume schenkte“ rückte den Römer in den Fokus des literarischen Geschehens und machte ihn von einem guten zu einem herausragenden Autor. Dieser Eindruck bestätigte sich bei „Das Mädchen, das den Himmel berührte“. Die Erfolgsstory setzt sich beim neuen Roman „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ weiter fort.

„Das Kind, das nachts die Sonne fand“ ist eine gelungene Fortsetzung

Während sich di Fulvio bei „Inkubus“ eher noch dem Thrillergenre zuordnen ließ, ging er bei „Der Junge, der Träume schenkte“ einen komplett anderen Weg. Bereuen wird er diesen Wandel nicht. Sowohl Cover als auch Titel zogen unzählige Leser und Zuhörer an, dem Folgewerk erging es ähnlich. Auch „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ setzt auf diese erfolgreichen Elemente. Obwohl die Werke weder zeitlich noch in den Charakteren irgendeinen Zusammenhang vorweisen können, müssen sie doch gemeinsam betrachtet werden. Auch beim neuesten Stück ist der Titelheld auf dem Cover abgebildet und natürlich dreht sich nicht nur der Titel, sondern auch die Erzählung selbst um diesen Charakter. Das macht „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ zu einer lang ersehnten und definitiv gelungenen Fortsetzung.

Das Kind, das nachts die Sonne fand – Ein junger Thronfolger

Marcus ist ein junger Thronfolger im Herrschaftsgebiet Raühnval in den Ostalpen. In einer Zeit der einflussreichen Landesfürsten führt er zunächst ein privilegiertes Leben. Das ändert sich mit einem Massaker, bei dem seine ganze Familie und sämtliche Burgbewohner ihr Leben verlieren. Die Tochter einer Dorfhebamme rettet „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ und verschleiert folglich dessen Identität. Besagte Elisa lässt ihn ein Leben unter den Dorfbewohnern führen, Marcus scheint diesem von Beginn an zugetan. Gleichzeitig rumort in ihm das Gefühl einer anderen Bestimmung. Diese bringt di Fulvio, bzw. Sascha Rotermund, der die zehn Stunden eingesprochen hat, sehr gut zur Sprache. Klar ist jedem di Fulvio Fan auch, dass „Das Kind, das nachts die Sonne fand“ die Menschen im Umfeld nachhaltig beeinflussen wird.

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27.Februar
2015

Khaled Hosseini – Tausend strahlende Sonnen

Benjamin Jendro

Hosseini - Tausend strahlende SonnenIn der nächsten Woche feiert Khaled Hosseini seinen fünfzigsten Geburtstag. Das ist für ihn persönlich wahrlich ein bedeutendes Ereignis. Eines, das mit den Liebsten gefeiert wird. Viel wichtiger, so sehr wir ihm zu diesem Jubiläum auch gratulieren wollen, sind seine literarischen Leistungen, mit denen er uns den Einblick in eine Welt ermöglicht, die wir oftmals so noch nicht gesehen haben. Hosseini schreibt über Afghanistan, aber er konzentriert sich nicht auf die Kriegsschauplätze, zumindest nicht ausschließlich. Romane wie „Tausend strahlende Sonnen“ sind den Menschen gewidmet. Den Menschen, die in dieser kriegerischen Welt beheimatet sind.

Tausend strahlende Sonnen in Afghanistan

Tausend strahlende Sonnen“ war der erste Roman, die ich von Khaled Hosseini lesen bzw. hören durfte. Er ist dafür verantwortlich, dass ich mittlerweile alle Werke verschlungen habe und die einzelnen Zeilen mir nicht mehr aus dem Kopf gehen. Die neun Stunden Hörbuch, gelesen von Andrea Hörnke-Tries, gehen runter wie Öl, hinterlassen aber einen schweren Pfropfen im Körperinneren. Hosseinis Werke haben die Eigenschaft, vor allem im Nachhinein zu bewegen. Zu jener Zeit, wenn man das Gehörte Revue passieren lässt und sich die Erzählungen zu schaurigen Bildern zusammensetzen. Natürlich spielt das Geschehen in Afghanistan. Auch das ist ein fester Bestandteil bei diesem Autor.

Das Schicksal zweier Frauen

Anders als in „Drachenläufer“ – der nicht weniger bekannte Bestseller – spricht Hosseini in „Tausend strahlende Sonnen“ über zwei Frauen. Ihre Freundschaft und ihr Mut überwinden die Unterdrückung. Parallelen sind also trotz differenter Personenstruktur deutlich zu spüren. Ihr Leid ist Hauptthema im Werk. Ihr Kampf, dieses zu überwinden, die Botschaft, die Khaled Hosseini mitgibt. Selbst, wenn eine Situation ausweglos scheint, lohnt es sich doch, für die eigenen Träume zu kämpfen. Das zeigen Mariam, die mit 15 Jahren an einen zwanzig Jahre älteren Mann zwangsverheiratet wird, und auch Leila. Letztere erlebt das gleiche Martyrium zwanzig Jahre später, wird Zweitfrau des gleichen Mannes, der nunmehr jenseits der 60 ist. Der Weg, wie Mariam und Leila zueinander finden ist ein Übel der Kultur. Es ist aber zugleich die Chance beider, dem zu entfliehen.

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17.Februar
2015

Anna Todd – After Passion

Benjamin Jendro

Todd - After Passion hbWann haben Sie ganz persönlich zuletzt mal eine Romanze im Kino oder Fernsehen gesehen, bei der sie dahin schmelzen konnten und die für sie das typische jugendliche Leben in den Vereinigten Staaten verkörperte? Beim mir ist das schon ein wenig her, doch in den späten Neunzigern und jungen Zweitausendern waren derartige Geschichte an der Tagesordnung. Ein junges Mädchen absolviert die Highschool und erlebt auf der Universität, dem College eine ganz andere Welt und ganz andere Seiten an sich. Das bisherige Leben, die bisherigen Grundsätze werden beiseite gewischt und das schüchterne Individuum vollkommen vom partymachenden Kollektiv eingenommen. So in etwa gestaltet sich auch „After Passion“ der jungen Autorin Anna Todd.

Anna Todd baut ihre Träume in die Romane ein

Anna Todd hat kurz nach ihrem Highschool-Abschluss geheiratet, noch heute lebt sie glücklich mit der ersten großen Liebe im US-Staat Texas. Ihr Vita liest sich mitunter etwas spießig, sie hat früh für geordnete Verhältnisse gesorgt. Dennoch schlummern in ihre aber jene Träume und jener Drang nach Experimenten und Freiheit, den viele junge Frauen in ihrem Alter verspüren. Tessa Young, die zentrale Figur in Todds „After“-Reihe, ist ihre Projektionsfläche. In „After Passion“, dem ersten von vier Bänden, lernt diese eine vollkommen neue Welt kennen. An der Washington State University ist alles größer, alles anders. Das beginnt bei ihrer neuen Mitbewohnerin, die so gar nicht ins bisherige Freundinnen-Raster passt und setzt sich bei Macho Hardin Scott fort.

Hardin Scott – Ein Mann wie Harry Styles

Der erste Eindruck, den Tessa von Mitbewohnerin Steph gewinnt, ist eine gesunde Mischung aus Verwunderung und Interesse. Das gilt auch für Hardin, einen Kerl, der sich im Freundeskreis von Steph tummelt und der wenig sympathisch wirkt. Zwar empfindet Tessa den Bad Guy zunächst nicht wirklich anziehend, irgendetwas aber schlummert in ihm, das ihr Interesse weckt. Bemerkenswerterweise beruht das auf Gegenseitigkeit, denn auch der egozentrische Hardin ist vom jungen, naiven Neuling spürbar angetan. In einem Umfeld voller alkoholgeladener Partys und nicht immer legal ausgelebter Abende nähern sich die beiden an, was Tessa dazu bringt, mit allem Bisherigen, auch ihrem eigentlichen Freund Noah zu brechen. Dass sich das über einen für dieses Genre ungewöhnlich langen Zeitraum hinzieht, merkt man als Zuhörer gar nicht. „After Passion“ ist einfach Baldrian für die romantische Seele.

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10.Februar
2015

Michel Houellebecq – Unterwerfung

Benjamin Jendro

Houellebecq - Unterwerfung hbIn den letzten Wochen wurde wahnsinnig viel über den Terror des IS gesprochen und geschrieben. Verantwortlich für diese Fokussierung sind die sich immer stärker häufenden Angriffe und Hinrichtungen, die durch die Vertreter des IS im Religionskampf vollzogen werden. Nicht zuletzt haben die Anschläge in Paris gezeigt, dass Europa dieses Thema ernst nehmen sollte. Im engen Zusammenhang mit dem Attentat auf die Redaktion des Satiremagazins Charlie Hebdo wurde immer wieder ein Autor genannt, der mit seinen Werken schon des Öfteren angeeckt ist und dessen neuester Roman an jenem Tag im Januar erschienen ist, als einige seiner Bekannten aus dem Leben schieden. Ohne Frage ist Michel Houellebecq ein Querdenker. Sein aktuelles Stück „Unterwerfung“ thematisiert den Islam, ist aber nicht als Kritik dessen zu verstehen. Vielmehr handelt es sich um ein Zukunftsszenario, das der Autor erdacht hat und das seine schriftstellerische Klasse beweist.

Es ist die Unterwerfung unter eine starke Religion

Houellebecq macht in allen öffentlichen Diskussionen keinen Hehl daraus, was er über die derzeitige Führung seines Frankreichs denkt. Die bisherigen Romane durften getrost auch als politische Kritik verstanden werden. „Unterwerfung“ tendiert in diese Richtung, zeigt aber einen stilistisch sehr gereiften Michel Houellebecq. Erzählt wird im 8-stündigen Hörbuch von einer Regierungsübernahme in der Zukunft. Es ist das Jahr 2022, als Paris in einen Bürgerkrieg gerät. Bei der letzten Wahl konnte sich Präsident Hollande noch einmal durchsetzen. Dieses Mal aber haben die altgedienten Parteien keine Chance mehr. Stattdessen hat sich Front National mit Marine Le Pen zahlreiche Wählerstimmen sichern können. Der einzige, der ihrer Machtübernahme und einer rechtsgerichteten Politik im Weg steht, ist Mohammed Ben Abbes. In der Stichwahl entscheiden sich die Wähler und Vertreter der gescheiterten bürgerlichen Parteien für ihn, um das Übel Le Pens abzuwenden. Die Folge ist eine „Unterwerfung“ der bisherigen Glaubenswerte und die Islamisierung Frankreichs, die der Autor aber äußerst positiv darstellt.

Unterwerfung erzählt von der Wiederherstellung des Einheitsgedankens

Sprecher Christian Berkel hat ein gutes Gespür dafür, was Houellebecq mit „Unterwerfung“ eigentlich sagen will und überbringt dank sehr eigenwilliger Schwerpunktsetzung bei der Intonation die zwischen den Zeilen stehende Botschaft an die Zuhörer. Ben Abbes ist ein recht charismatisch dargestellter und weitdenkender Staatspräsident, der nach Ausgleich bemüht ist. Seine Bruderschaft der Muslime verändert natürlich das gesellschaftliche Zusammenleben innerhalb Frankreichs. Die Islamisierung erfolgt aber moderat und wird kaum kritisch beäugt, von vielen sogar gern angenommen. Allen voran von Literaturwissenschaftler François. Der Hauptcharakter trägt Züge Houellebecqs in sich und ist vom Wandel positiv beeindruckt. Er überlegt sogar, den muslimischen Glauben anzunehmen, weil sich dadurch seine sexuellen Vorlieben realisieren könnten und er gleich mehrere Frauen ehelichen dürfte. Alles in allem polarisiert Houellebecq mit seinem Werk und das weiß er sehr wohl. Nichtsdestotrotz aber kritisiert er mit „Unterwerfung“ weder den Islam noch seine Grundelemente. Dies geschieht auch nicht auf satirischer Ebene, denn letztlich ist die Situation, wie sie fiktiv aufgezeigt wird, keinesfalls negativ konnotiert. Vielmehr würden die Franzosen dank der Machtübernahme endlich wieder Einheit symbolisieren, weil sie Werte verinnerlichen, an denen es festzuhalten gilt.

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3.Februar
2015

Lutz Hübner – Frau Müller muss weg

Benjamin Jendro

Frau Müller muss wegDie Schulpflicht ist im deutschen Gesetz fest verankert. Deshalb schicken die meisten Eltern ihre Schützlinge Tag für Tag in die Bildungseinrichtung. Dass sie mit den Elementen dieser zufrieden sind, ist damit aber nicht gesagt. Tatsächlich gibt es im Schulunterricht so einiges, was Mama und Papa so rein gar nicht in den Kram passt. Für eine ganze Gruppe von ihnen ist eine Lehrerin in Lutz HübnersFrau Müller muss weg“ ein wahrer Dorn im Auge. Die Akademikerin ist der Grund dafür, dass viele Kids eine schlechte Zukunftsaussicht haben. Zumindest halten die Eltern sie für den Grund.

Frau Müller muss weg – Keine Frage

Die Zeugnisse stehen an und mit ihnen die Empfehlung für die jeweilige Oberstufe. Dieser Zeitpunkt sollte Eltern eigentlich zufrieden stimmen. Schließlich zeigt das, dass ihre Kids heranwachsen. Für mehrere Paare im Theaterstück „Frau Müller muss weg“, das derzeit auch im Kino für Furore sorgt, steigt aber die Angst, je mehr sich besagter Tag nähert. Schuld daran ist allein die nicht immer freundlich dargestellte Frau Müller. Die Klassenlehrerin ist mit ihrer Notenvergabe schließlich das Zünglein an der Waage und bevor man die Schuld beim eigenen Kind sucht, macht man doch lieber jemand anderes für das stetige Versagen in den Klassenarbeiten verantwortlich.

Eltern im Kampf gegen Frau Müller

Wenn es sich um ein, vielleicht auch zwei Kids handeln, wäre es ja noch im Bereich des Möglichen, dass die Notenvergabe rechtens abläuft. So aber sehen sich Jessica Höfel, Ehepaar Jeskow, Wolf Heider und Katja Grabowski förmlich dazu gezwungen, Frau Müller einmal die Leviten zu lesen. Diese ist sich natürlich keiner Schuld bewusst und zudem recht uneinsichtig. Mit steigender Erzählzeit werden die Bandagen der besorgten Eltern immer härter. Dass sie sich dabei von einer wenig erwachsenen Seite zeigen, macht das ganze Szenario umso lustiger. Im Kino erlebt man unter anderem Anke Engelke, Ken Duken und Alwara Höfels, wie sie in eine Peinlichkeit nach der anderen schlittern. Im zugrunde liegenden Stück, denen die besagten Schauspieler in der Hörbuchvariante von „Frau Müller muss weg“ ihre Stimmen geliehen haben, kommt das aber auch schon recht gut durch.

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27.Januar
2015

Jojo Moyes – Ein Bild von dir

Benjamin Jendro

Moyes - Ein Bild von Dir hbPorträtmalerei ist eine sehr hohe Kunst. Während es Landschaftszeichner oftmals etwas einfacher haben und das jeweilige Panorama so abpinseln können, wie es vor ihnen liegt, ist das Malen von Menschen eine ganz andere Aufgabe. Selbstverständlich nimmt auch jeder seine Umgebung anders war. Die Spielräume hinsichtlich des Zeichnens eines Menschen aber sind noch größer, denn es obliegt einem Maler, vollkommen eigene Akzente zu setzen und Emotionen in ein Porträt einzubinden, die ein anderer womöglich gar nicht wahrnimmt. Insofern kann man beim Betrachten eines Porträts viel über die abgebildete Person ablesen, zugleich aber auch einiges über seinen jeweiligen Künstler. Für Liv – eine der zentralen Protagonisten in Jojo Moyes neuem Werk „Ein Bild von dir“ – steht es außer Frage, dass der Maler des thematisierten Porträts sein Motiv sehr geliebt haben muss.

Jojo Moyes verbindet in „Ein Bild von dir“ zwei Liebesgeschichten

Liv ist wirklich verzweifelt. Noch immer hängt sie an ihrem David, der vor vier Jahren viel zu früh aus dem Leben geschieden ist. Es sind die gemeinsamen Erlebnisse, derer sie sich erinnert und die ihn nach wie vor für sie präsent halten und es ist ein Gemälde, das er ihr einst schenkte, welches eine vergleichbare Wirkung erzielt. Jenes Kunstwerk soll ihr nun entwendet werden, was Liv mit aller Macht verhindern möchte. Selbst, wenn das bedeutet, dass sie alles opfern muss. Abgebildet auf dem Bild ist Sophie, eine Französin, die während des ersten Weltkriegs deutschen Besatzern Essen servieren musste, während ihr Mann Edouard – der Maler – gegen eben jene ins Gefecht zieht. Es sind diese beiden Liebesgeschichten, die ein knappes Jahrhundert auseinanderliegen, aber von Jojo Moyes in „Ein Bild von dir“ durch ein einziges Porträt miteinander verbunden werden.

Ein Bild von dir zeugt nur so vor einfühlsamen Zeilen

Wer sich die rund neun Stunden Hörbuch anhört, der wird von Moyes einmal mehr das erhalten, wofür wir sie seit einigen Jahren zu schätzen gelernt haben. Ihr kometenhafter Aufstieg basiert auf einer sehr einfühlsamen Sprache, die auch in „Ein Bild von dir“ nicht fehlt. Intensiviert wird das durch die Stammsprecherin der Werke von Moyes, Luise Helm, die man unter anderem als Synchronstimme von Scarlett Johansson kennt. Rundum eine sehr bewegende Erzählung, die der Zuhörer da vorgesetzt bekommt. Wem das noch nicht reicht, der kann mit „Die Tage in Paris“ gleich noch der Vorgeschichte lauschen. Auch diese geizt nicht mit großer emotionaler Tiefe.

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20.Januar
2015

Die drei ??? – Dämon der Rache

Benjamin Jendro

Die drei  - Dämon der RacheIm Hörbuchbereich gibt es viel spannende Geschichten, einige sind sogar in diesem Format erfolgreicher als bei den Printausgaben. Ein gutes Beispiel sind dahingehend „Die drei ???“, die vor allem im Akustischen anzusiedeln sind. Früher dröhnten die Abenteuer um Justus Jonas, Peter Shaw und Bob Andrews aus dem Kassettenrekorder. Mittlerweile hat sich das Medium geändert, was aber zum Glück keinerlei Auswirkung auf den großen Unterhaltungswert ausüben konnte. Neuestes Beispiel ist Folge Nummer 173, die auf den stolzen Namen „Die drei ??? – Dämon der Rache“ getauft wurde und schon im Cover erkennen lässt, dass es etwas Grausiges zu hören gibt.

Die drei ??? – Dämon der Rache

Als „Die drei ???“ eigentlich den Gewinn einer Ballonfahrt genießen sollten und sich in großer Höhe über die kalifornische Küste begeben, macht Peter eine schwindelerregende Beobachtung. Die drei fliegen über ein Anwesen, in dessen Garten eine eigenartig ausschauende Gestalt mit einer Harpune bewaffnet hinter einer Frau hinterherrennt. Natürlich möchte er die anderen darauf aufmerksam machen. Doch ehe sie sich dem Geschehen auf dem Erdboden annehmen können, sind die Protagonisten längst nicht mehr im Blickfeld. Dennoch aber kommen sie Peters Wunsch nach und machen eine seltsame Entdeckung.

Dämon der Rache erinnert an Gruselfilme ähnlicher Kategorie

Irgendwie scheint der Plot von „Die drei ??? – Dämon der Rache“ recht sonderbar. Denn erzählt wird von einem mysteriösen Wesen, dass die Menschen speziell mit seinem gigantischen Maul ordentlich in Schach hält und die Bewohner der Villa Pembroke in Angst und Schrecken versetzt. Dass besagtes Anwesen nicht gerade im hellen Glanz erstrahlt, macht die Szenerie ohnehin nicht besonders einladend. So ein bisschen erinnert die Geschichte, die Justus, Peter und Bob da nach und nach entschlüsseln, an einen Familienfluch, den man auch im einen oder anderen Gruselstreifen bereits vorgesetzt bekam. Das Geschehen in „Die drei ??? – Dämon der Rache“ geht aber noch etwas weiter und ist so auf jeden Fall ein Hörempfehlung wert.

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13.Januar
2015

Carlos Ruiz Zafon – Der Schatten des Windes

Benjamin Jendro

Zafon - Der Schatten des Windes HörbuchInnerhalb der spanischen Literatur ist in den letzten Jahren ein kleiner Trend abzusehen, der Elemente verdeutlicht, die sie von anderen unterscheidet. Selbstverständlich schreiben auch die Iberer facettenreiche Romane mit den unterschiedlichsten Themen. Irgendwie ist aber eine derzeitige Vorliebe für einen ganz speziellen Bereich zu erkennen. Man nimmt sich Bücher aus vergangenen Tagen vor, baut um sie herum einen spannenden Plot und integriert interessante Charaktere, deren Suche nach derart besonderen Artefakten ihr Leben verändert. Carlos Ruiz Zafon hat mit dem „Friedhof der vergessenen Bücher“ eine spezielle Plattform erschaffen, die ihm genau das ermöglicht. Seine bisher drei Bände der sogenannten Barcelona-Reihe sind zu internationalen Bestsellern gereift. Mit „Der Schatten des Windes“ begann sie.

Der Schatten des Windes – Alles beginnt mit der richtigen Auswahl

Daniel Sempere ist noch ein Bub, als ihn sein Vater, ein Buchladenbesitzer, auf den Friedhof der vergessenen Bücher mitnimmt. Gemäß des Ritus darf der Besucher beim ersten Mal ein Werk auswählen, das er mitnehmen kann und sein Leben lang beschützen muss. Daniels Wahl trifft auf „Der Schatten des Windes“ des wenig bekannten Autors Julian Carax. Der Junge widersteht ersten Abwerbungsversuchen, auch denen einer mysteriösen Gestalt, die durch die katalanischen Gassen wandelt. Daniel soll eben diese später wiedertreffen. Zunächst aber entschlüsselt er über Jahre hinweg das Rätsel um Julian Carax, dessen Geschichte durchaus Spannung mit sich bringt und die immer größere Parallelen zu Daniels eigenem Heranwachsen offenbart.

Matthias Schweighöfer als Daniel Sempere in Der Schatten des Windes

Das dazugehörige Hörbuch, bei dem Martin Zylka Regie geführt hat, gestaltet sich als echtes Highlight, weil gleich mehrere bekannte Stimmen für großen Unterhaltungswert sorgen. Daniel, der nach und nach heranwächst, sich in die Schwester seines besten Freundes verliebt und mehrfach den eigenwilligen Handlungen eines machtbesessenen Polizeichefs ausgesetzt ist, erhält die Stimme von Matthias Schweighöfer. Sein größter Unterstützer Fermin Romero de Torres – ehemaliger Spion, anschließender Bettler und jetziger Angestellter in der familieneigenen Buchhandlung – bekommt die von Michael Habeck und Julian Carax, der am Ende stärker in den Fokus rückt, die von Sylvester Groth. Im Zusammenspiel mit anderen machen sie Zafons Werk „Der Schatten des Windes“ definitiv zum akustisch attraktiven Hörspiel.

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6.Januar
2015

Kazuaki Takano – Extinction

Benjamin Jendro

Takano - ExtinctionAsiatische Literatur mag ihre sonderbaren Elemente in sich tragen, unterhaltsam ist sie aber allemal. Bei den vielen interessanten Bestandteilen fragt man sich umso öfter, warum es Werke von Autoren aus diesem Kontinent hierzulande so schwer haben. Gut, man kennt einen Herren Murakami, aber können Sie noch viele weitere Vertreter der asiatischen Schreibkunst aufzählen? Den Namen Kazuaki Takano sollte man sich auf jeden Fall merken. Dieser hat nämlich zuletzt einen äußerst spannenden Thriller geschrieben, der nicht nur einen spektakulären Plot enthält, sondern definitiv Lust auf mehr macht. „Extinction“ heißt der internationale Bestseller, den Sprecher Sascha Rotermund Ihnen in satten 20 Stunden vorträgt.

Extinction – Worum geht es?

Kurz zusammengefasst könnte man den Inhalt von „Extinction“ in drei Worten darlegen – Ebola, Verschwörung, ultraspannend. Da diese Trias dem Werk und seinem Autor aber nur wenig gerecht wird, sollte man das Ganze etwas weitläufiger beschreiben. In „Extinction“ wird ein gewisser Jonathan Yeager von der US-Regierung in den Kongo geschickt, um einen tödlichen Virus im Keim zu ersticken. Dieser soll bei einem Pygmäenstamm ausgebrochen sein und Yeager soll ihn nach Möglichkeit komplett ausrotten. Im Dschungel angekommen, scheint er diesem Auftrag zunächst noch wohlgesinnt. Mit der Zeit aber erkennt er, dass noch etwas ganz anderes hinter seiner Mission steckt, nämlich ein kleiner Junge. Yeager weigert sich, diesen zu töten und entscheidet, folglich nach einer eigenen Ideologie vorzugehen.

Extinction ist ein tolles Netzwerk mit aktueller Bezugnahme

Trotz der spürbaren Konzentration auf Yeager und seinen Erlebnissen erweist sich Kazuaki Takano als sehr weitläufig denkender Autor, der das Geschehen auf weitere Handlungsstränge und -träger ausweitet. Erzählt wird in „Extinction“ nämlich auch der Werdegang von Kento Koga, der in Japan in die Fußstapfen seines Vaters tritt und ein Medikament gegen eine bis hierhin unheilbare Lungenkrankheit entwickeln soll, an welcher im Übrigen Yeagers Nachwuchs leidet. So vernetzt Takano Geschehnisse und Figuren, pendelt nach Belieben zwischen drei Kontinenten und bietet dem Zuhörer einen rasanten Thriller, der nicht zuletzt aufgrund der globalen Bedrohung Ebola äußerst zeitnah daherkommt.

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