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20.Mai
2015

Victor Hugo – Die Elenden

Benjamin Jendro

Hugo - Die ElendenFrankreich hat eine Menge große Literaten zu bieten. Im Land, das seit jeher eine Art Vorbote der menschlichen Geistesentwicklung scheint, sind Autoren aus dem Boden gewachsen wie in anderen Ländern das Unkraut. Balzac, Voltaire und Co. haben die Welt mit ihren Worten bereichert, ihr viele schöne Stunden geschenkt. Von einem Alexandre Dumas möchte man da noch gar nicht sprechen. Einer, der in Deutschland eigenartiger Weise gar nicht so großen Erfolg hatte, in der Welt aber recht große Anerkennung findet, ist Victor Hugo. Dessen Todestag jährt sich am Freitag zum 130. Mal. Grund genug, einen Blick auf „Die Elenden“ zu werfen, sein mit Sicherheit größtes Stück.

Die Elenden als Zeugnis des politischen Wandels

Zeit seines Lebens variierten die politischen Ansichten von Victor Hugo. Dieser Wandel spiegelt sich auch in seinen Werken wider. 1846 wechselte er erneut das Lager und begann sich nach und nach sozial zu engagieren. In Manier des großen Sues arbeitete er fortan an seinem Meisterstück, das schließlich 1862 als „Les Miserables“, zu dt. „Die Elenden“ vorgestellt wurde. In diesem Aushängeschild der Romantik, als dessen Hauptakteur Hugo heute in Frankreich gesehen wird, widmet er sich dem Schicksal des Sträflings Jean Valjean. Um diesen herum baut er ein Gesellschaftsbild der Zeit von Napoleon bis Louis Philippe.

Hugo beschreibt die Umstände der Zeit

Mal abgesehen von den Geschehnissen rund um Valijean und einige andere Protagonisten beschreibt Victor Hugo in „Die Elenden“ vor allem auch den Pariser Juniaufstand von 1832. Dabei zeigt er verstärkt Sympathie für die Aufständler, die eine Republik errichten wollen. Alle wichtigen Akteure treffen direkt an den Barrikaden aufeinander. Besonders handlungstragend scheint dabei der vorher eher nebensächliche Gassenjunge Gayroche. Er ist ein wesentliches Puzzlestück, das in den 56 Mammutstunden Hörbuchversion mit vielen anderen Elementen zusammengeführt wird. Sprecher Gert Westphal schaffte es mit einer erstklassigen Mixtur aus ruhiger und bei Bedarf auch bewegter Intonation Victor Hugos großen Klassiker neu aufleben zu lassen.

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13.Mai
2015

Dörte Hansen – Altes Land

Benjamin Jendro

Hansen -Altes LandManche Dinge in dieser Welt können wir bestimmen, die meisten aber eben nicht. So ist unser Leben geprägt von vielem Unvorhersehbaren und jeder Menge Überraschungen, die es besonders spannend machen. Eine Sache, die sich nicht vorhersehen lässt, ist beispielsweise der Unterhaltungswert eines literarischen Werkes. Zwar kennen wir einige Autoren und Autorinnen und können bei einem Folgewerk von ihnen in etwa erahnen, was da zu hören ist. Bei gänzlich neuen Schriftstellern aber lässt sich der Überraschungseffekt nicht minimieren. Insofern wusste ich auch vor meinem letzten Hörbuchkauf nicht, was mich erwartet. Ich griff zur Dörte HansensAltes Land“ und bereute die Entscheidung bei keiner der 313 Hörminuten.

Altes Land ist ein historisch gefärbtes Stück

Fünf Jahre alt ist die kleine Vera, die als das „Polackenkind“ gemeinsam mit ihrer Mutter auf einem Hof gelandet ist. „Altes Land“ erzählt von ihrer Flucht aus Ostpreußen im Jahr 1945. Die neue Heimstätte ist zwar sicher, doch die Szenerie erscheint ihr fremd. Das große und karge Bauernhaus strahlt nicht gerade große Gastfreundschaft aus. Dennoch aber ist Vera am neuen Ort gefangen. Sechs Jahrzehnte später klopft ihre Nichte Anne an die Tür. Auch sie ist geflüchtet, vor ihrem Mann, der auf einmal eine andere liebt. Sie hat ihren kleinen Sohn mitgebracht.

Dörte Hansen berührt den Leser

So unterschiedlich Dörte Hansen Anne und Vera auch darstellt, so vergleichbar ist ihre Situation. Die beiden Frauen, um die sich das komplette Werk „Altes Land“ dreht, haben mehr gemeinsam als es den Anschein macht. Es ist durchaus interessant zu beobachten, dass beide letztlich nach exakt dem gleichen Medium suchen – einer Familie, in der Glück sprießt. Das entschlüsselt die Autorin, die mit einer klaren aber stetig einfühlsamen Sprache, mit Verlauf der Erzählung immer mehr. So berührend die Geschichte ist, so viel ist sie auch vom hanseatisch-trockenen Witz gesegnet, den Dörte Hansen immer mal wieder einfließen lässt.

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7.Mai
2015

Die drei Fragezeichen – Schattenwelt

Benjamin Jendro

SchattenweltJustus Jonas, Peter Shaw, Bob Andrews – Das Triumvirat der Hörbuchszenerie kehrt zurück und präsentiert seinen nunmehr 175. Fall. Das wohl erfolgreichste Dreigestirn der Krimihistorie poltert seit Jahrzehnten erfolgreich durch die Boxen von Kassettenrekordern und CD-Playern. „Schattenwelt“ ist nun ihr neuestes Abenteuer und eines, das sich genauer betrachtet in gleich mehrere Episoden unterteilt. Wie viele genau? Na raten Sie mal! Exakt drei sind es, ganz gemäß der Dreifaltigkeit, die Justus, Peter und Bob als Kriminalisten stets verkörpern.

Die drei Fragezeichen als Studis

Das gab es in der langen Bandreihe der drei Fragezeichen noch gar nicht. In „Schattenwelt“ bekommen sie erstmals die unvergleichliche Chance, als Studenten für ein paar Wochen das Uni-Leben zu testen. Wie erwartet, geht es in Ruxton aber nicht allein um Vorlesungen und Uni-Partys, sondern um einen neuen tollen Fall. Dieser benötigt etwas Anlaufzeit, kommt etwas spärlich in die Gänge. Zunächst einmal müssen sie sich mit einem Mitbewohner herumärgern. Auf dem Campus werden die sonst so freundlichen Zukunftsakademiker plötzlich zu aggressiven Kommilitonen.  Des Rätsels Lösung soll wohl der sogenannte Teumessische Fuchs sein. Dieser ist aber nicht so wirklich identifizierbar.

Schattenwelt begeistert mit drei Teilen

Das neue Abenteuer „Schattenwelt“ beginnt mit „Teuflisches Duell“ und eben jener merkwürdigen Ausgangslage auf dem Campus. Weiter geht es mit „Angriff in der Nacht“ und so immer tiefer in den dunklen Sumpf und immer weiter an den Teumessischen Fuchs heran. Der scheint omnipräsent, ist aber irgendwie doch nicht auffindbar. Bis zu einer Nacht, in der er eiskalt und unerwartet zuschlägt. Das Grande Finale von „Schattenwelt“ erfolgt in „Die dunkle Macht“. Spektakuläre Entdeckungen wirbeln den ganzen Fall durcheinander und bringen „Die drei Fragezeichen“ näher auf die Spur ihres Gegenspielers. Dieser aber scheint gewieft und ist immer einen Schritt voraus. Der finale Showdown bringt dann sein wahres Gesicht ans Tageslicht. Eine wirklich gelungene Jubiläumsausgabe, die dort mit „Schattenwelt“ vorgelegt wird.

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1.Mai
2015

Anna McPartlin – Die letzten Tage von Rabbit Hayes

Benjamin Jendro

McPartlin _ Rabbit HayesWas ist das Wichtigste in unserem Leben? Die Frage lässt sich so einfach nicht beantworten, denn genau betrachtet ist das bei jedem ganz individuell bestimmbar. Es gibt jedoch eine Schnittmenge, die für alle Menschen besonderen Status haben sollte, weil sie letztlich das ist, was uns in allen Höhen und vor allem den Tiefen des Lebens beiseite steht. Die Familie ist ohne Frage das zentrale Hab und Gut eines Menschen. Da verwundert es auch nicht, dass Romane, in denen das Familiäre in den Mittelpunkt gestellt wird, die meisten Leser für sich gewinnen können. Anna McPartlin zeigt das mit ihrem Werk „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ – eine Geschichte, in der es um das Thema Krebs, den Umgang damit und so folglich auch um die Familie geht.

Ein allerletzter Kampf

Das Leben lässt uns viele Kämpfe bestreiten und auch, wenn wir nicht mehr wie früher in Schlachtfeld ziehen müssen, gibt es doch viele Hürden, die man überspringen muss. Für Rabbit Hayes ist klar, dass dies ihr letzter Kampf sein wird und einer, den sie nicht gewinnen kann. Es sind „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“, denn sie hat Brustkrebs im Endstadium. Eine Heilung ist vollständig ausgeschlossen. Ganze neun Tage geben ihr die Ärzte. Wenig Zeit, aber genug für Rabbit, um innerhalb ihrer Familie noch mal alles ins Reine zu bringen. Das ist zwar eine recht aufwendige Aufgabe, doch Rabbits Hoffnung bleibt ungetrübt. Sie weiß, sie wird es schaffen, selbst wenn es das Letzte ist, was sie tut.

Die Geschichte von Rabbit Hayes ist traurig, schenkt aber Hoffnung

Jedem, der zum Hörbuch „Die letzten Tage von Rabbit Hayes“ greift, muss klar sein, dass es um ein ernstes Thema geht, die Grundstimmung demnach nahezu auf dem Tiefpunkt ist. Allerdings ist es gerade die Hauptakteurin, der Anna McPartlin ein wenig Esprit verleiht und durch die sie die düstere Trauergrundhaltung ein wenig aufhellt. Rabbit Hayes beweint ihr Schicksal nicht, sie beendet ihr Leben im Guten und muss das bevorstehende Ende nicht ständig beweinen. Das mag ein wenig skurril wirken, sorgt aber letztlich dafür, dass auch ihre Familienangehörigen besser mit der Situation umgehen können. Das gilt für Jack und Molly, ihre Eltern, aber auch für die Geschwister Grace und Davey. Am meisten beeindruckt jedoch das Verhalten der erst zwölfjährigen Tochter Juliet, die wohl den schwersten Stein zu tragen hat.

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24.April
2015

Jan Weiler – Kühn hat zu tun

Benjamin Jendro

Weiler - Kühn hat zu tunImmer wieder stößt man auf erfolgreiche Schriftsteller, die es in einem neuen, für sie eher unbekannten Genre versuchen. Mit Kriminalromanen hat man Jan Weiler bisher nicht so wirklich in Verbindung bringen können. Nun aber versucht es der Düsseldorfer, der mit „Maria, ihm schmeckt´s nicht“ die große Bühne betrat, mit einem eben solchen. „Kühn hat zu tun“ ist ein Werk, das vom Titel her noch nicht so viel Grausiges bereithält. Im Verlauf der mehr als acht Stunden Hörbuch aber geht es richtig zur Sache, was man Jan Weiler bisher überhaupt nicht zugetraut hätte.

Kühn hat Probleme und jede Menge zu tun

44 ist Martin Kühn, verheiratet und zweifacher Vater obendrauf. Ansässig in der Münchner Vorstadt, scheint die für ich höchste Karrierestufe bei der Polizei bereits erreicht. Eigentlich hält man ihn für recht talentiert, für eine Beförderung aber reicht das wohl nicht. Im Grunde genommen stört ihn das nicht einmal, viel größer sind da die Probleme in den heimischen vier Wänden. Sei pubertierender Sohn entwickelt immer sonderbarere Interessen. Darüber hinaus geht eine sexuelle Anziehungskraft von der rothaarigen Nachbarin aus. Fremdgehen aber würde er nie, zumal ihm die Zeit fehlt, denn „Kühn hat zu tun“. Er wird zu einem Tatort gerufen, zu welchem er nicht lang braucht. Keine 30 Meter von seinem Gartentor entfernt liegt eine Leiche.

Respekt Jan Weiler

Schon interessant, wie wortgewandt sich Jan Weiler in „Kühn hat zu tun“ erweist. Als hätte er nie etwas anderes geschrieben, meistert er seinen ersten Krimi mit Bravour. Von Vorteil ist es da natürlich auch, dass er seinen Roman gleich selbst eingesprochen hat und so ganz genau weiß, worauf er den Schwerpunkt in der Intonation setzen kann. Kühn ist ein eigenwilliger Charakter, an dessen Gedanken wir stets teilhaben dürfen und über den man sich wundern kann. Dennoch entwickelt man als Zuhörer eine gewisse Zuneigung. Recht flüssig geschrieben und dennoch mit spannenden Wendungen versehen, entwickelt sich „Kühn hat zu tun“ zu einem echten Krimi, der einen dann schon mal auf die Couch fesselt.

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16.April
2015

Günter Grass – Lyrische Beute

Benjamin Jendro

Grass - Lyrische BeuteIrgendwie war es ein recht eigenartiger Wochenanfang. Die wenigsten kannten Schriftsteller Günter Grass persönlich, doch jeder scheint nun um ihn zu trauern. Natürlich tun wir das, denn erst mit seinem Tod wird uns bewusst, was dieser Mann für alle gesellschaftlich-kulturell Interessierten geleistet hat. Günter Grass hat mit seinen unzähligen Werken nicht nur gut unterhalten, er hat vor allem auch Ansichten geprägt. Ich persönlich habe unzählige Geschichtsstunden im Schulraum verbracht, um historische Fakten zu erfahren. Wie es aber den Menschen zur jeweiligen Zeit ging, und das ist das wirklich Wesentliche, hat niemand ernsthaft vermittelt. Grass schon, sein Werk „Die Blechtrommel“ hat mein Geschichtsbild stark beeinflusst. Auch mein Bild von Literatur wäre ohne Günter Grass nicht das heutige. Mit „Lyrische  Beute“ ist es ihm sogar gelungen, mich entgegen der Gewohnheit für Lyrik zu begeistern.

Günter Grass machte Lyrische Beute

Schulstunde, Deutsch, Gedichtanalyse – Oh nein, schon wieder eine. So gerne ich mich in der Schule der Deutschen Sprache und Literatur gewidmet habe, Gedichtanalysen habe ich gehasst. Noch heute, nach dem Studium frage ich mich, warum es so wichtig ist, dass ein Autor in seinem Werk Alliterationen, Hyperbeln und Co. verwendet hat. Im Kern geht es doch bei allen Gedichten um den Inhalt, selbst wenn es immer heißt, Inhalt und Form stehen im Wechselspiel miteinander. Eine Ansicht, der im Übrigen auch Dozenten zustimmen mussten. Gedichte liest man, weil sie in wenig Worten viel über einen Autor aussagen. „Lyrische Beute“ ist eine Sammlung mehrerer dieser Zeugnisse. Ganz nebenbei sorgt der Sprecher Günter Grass zudem dafür, dass sie recht unterhaltsam und mit einer eindringlichen Stimmfarbe vorgestellt werden.

140 Gedichte aus 50 Jahren

50 Jahre umfasst die Zusammenstellung, in der 140 Gedichte des Literaturnobelpreisträgers von 1999 enthalten sind. Günter Grass war ein Querdenker, das ist zu Recht auch in allen Äußerungen zu seinem Tod deutlich geworden. Ein Mann, der den Tonus vieler Leute traf, dem es aber auch vollkommen bewusst war, mit seinen stark polar gefärbten Äußerungen bei anderen Widerstand und Abneigung hervorzurufen. Das Hörbuch „Lyrische Beute“ ist die Aufzeichnung einer Lesung von Günter Grass in Lübeck. Sie ist jetzt nach seinem Tod und der Erkenntnis, dass er keine weiteren Lesungen halten wird, umso wertvoller. Bei den knapp vier Stunden kann man noch mal das ganze Spektrum eines sehr großen Mannes auf sich einfließen lassen, einfach zuhören und die Gedanken baumeln lassen.

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9.April
2015

Anna Todd – After Truth

Benjamin Jendro

Todd - After Truth hbSchriftsteller leben von ihren Geschichten. Nur mit einem unterhaltsamen Plot schaffen sie es, Leser für sich zu gewinnen. Dafür ist es notwendig, dass eine Erzählung authentisch ist, der Schreiber sie nicht einfach nur herunter geschrieben, sondern dabei auch eigene Empfindungen einfließen hat. So geschieht es zwangsläufig, dass die Geschichten, die Menschen aufschreiben und dem Leser vorlegen, auch immer die ganz eigene Lebensgeschichte thematisieren oder zumindest Elemente beinhaltet, die den jeweiligen Literaten beschäftigen. Mit Anna Todd hat da in den letzten Monaten wieder Mal eine Autorin für Aufsehen gesorgt, die zwei junge und von Grund auf verschiedene Akteure zusammenführt. „After Truth“ ist der zweite Band einer Reihe, in der es um gegenseitige Anziehung und alle Hürden einer Liebe geht.

After Truth – Eine Autorin verarbeitet ihre Träume

Anna Todd, eine Texanerin, die sofort nach der Highschool heiratete und deren Anerkennung vor allem Boygroups zu Gute kommt, ist eine Autorin, die in ihren Werken ihre Träume sprechen lässt. Sie hat ein geordnetes, ein ganz gewöhnliches Leben und ist nach eigenen Angaben vollauf damit zufrieden. Es gibt, und da macht Todd keinen Hehl drum, aber auch noch eine andere Variante. Statt Vorgarten und Familie hätte sie auch den Weg ihrer Protagonistin Tessa gehen können. Diese kommt in die Großstadt, studiert und gelangt in eine für sie bis dahin unbekannte Welt voller Partys, Action und Gefahren. Mittendrin ein Kerl, der nicht gut für sie ist und von dem sie sich dennoch nicht mehr zu lösen vermag. In „After Passion“ lernten wir Tessa und eben jenen Hardin kennen. Einen Macho, der sie alle haben kann, aber an der jungen naiven Tessa einen Bären gefressen zu haben scheint. In „After Truth“ nun geht es zentral darum, wie es mit den beiden weitergeht. Tessa erfährt die ganze Wahrheit über Hardin – eine Wahrheit, die sie nicht wahrhaben möchte und die Gift für die Beziehung der beiden ist.

Wie stark ist erotische Anziehungskraft?

Es ist bei weitem nicht so, dass Autorin Anna Todd mit der „After-Reihe“ etwas komplett Revolutionäres vorlegt. Die Szenerie erinnert ein wenig an die guten amerikanischen Teeniestreifen um die Jahrtausendwende. Das junge Mädchen kommt an die Universität und wirft plötzlich sämtliche Grundsätze und auch den Freund in der Heimat über den Haufen. Neu ist, dass sie das Ganze mit einer erotischen Würze aufpeppt und sich somit eine Mixtur aus den früheren und der aktuellen Kassenschlagern zusammenreimt. Ein Werk, das im Jahr 2015 über die Liebe spricht, kann nicht über das Thema Sexualität hinwegsehen und so bekommt gerade die erotische Anziehungskraft einen hohen Stellenwert. Genau diese ist das, was Tessa zweifeln lässt und ihr den Weg in das alte Leben, das Leben vor Hardin Scott, versperrt.

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31.März
2015

Ingo Siegner – Der kleine Drache Kokosnuss Bd. 23

Benjamin Jendro

Siegner - Expedition auf dem NilEine der beliebtesten Figuren der deutschen Hörbuchszene ist zurück. Mit seinem neuen Abenteuer wird „Der kleine Drache Kokosnuss“ in der nächsten Zeit wieder in vielen Kinderzimmern zu hören sein und unzählige Herzen seiner Zuhörer höher schlagen lassen. Den kleinen Helden von Ingo Siegner umgibt eine magische Aura, der sich kein Heranwachsender so einfach entziehen kann. In seiner neuesten Episode treibt es das feuerspeiende Flugtier mit Fruchtnamen nach Afrika. „Expedition auf dem Nil“ ist ein 45-minütiger Ausflug ins Reich der Pharaonen und so nicht nur auf eine raum-, sondern auch eine zeitgebundene Reise.

Wie zum Drachen haben die solche Pyramiden gebaut?

Wenn „Der kleine Drache Kokosnuss“ mal etwas Langeweile hat und nicht so recht weiß, was er mit der vielen tollen Freizeit anfangen soll, sucht er sich eine Beschäftigung, die ihn mit Spannung erfüllt. Aktuell hat es ihm die ägyptische Geschichte getan. Wie zum Teufel ist es den früheren Ägyptern gelungen, so komplexe Gebilde wie die Pyramiden zu bauen. Um dieser Frage nachzugehen, bedarf es ein wenig Innovation. So spielen in „Der kleine Drache Kokosnuss – Expedition auf dem Nil“ unter anderem auch Laserphaser und Spezial-Drachenflugmobil eine wichtige Rolle. Kokosnuss, Matilda und Oskar reisen dank dieser Anfertigung in die Historie zurück.

Achtung: Notlandung mitten auf dem Nil

Ohne Matilda und Oskar wäre „Der kleine Drache Kokosnuss“ schon des Öfteren völlig aufgeschmissen gewesen.  Auch dieses Mal kommt ihnen einen tragende Rolle zu. Schon bei der Anreise ergeben sich gigantische Probleme, denn das Flugmobil muss mitten auf dem Nil notwassern. Zu dritt meistern sie das Manöver und können so heil in ihr nächstes Abenteuer starten. Dieses hat es definitiv in sich. Durch die lebendige Intonation von Sprecher Philipp Schepmann gewinnt das Hörbuch zusätzlich an Unterhaltungswert. So bekommen die kleinen und großen Fans von Ingo Siegner wieder mal ein tolles und durchgängig spannendes Erlebnis des lieb gewonnenen Kokosnuss geboten.

 

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26.März
2015

Ian McEwen – Kindeswohl

Benjamin Jendro

McEwan - KindeswohlGerichtsfälle können recht öde sein. Sie ziehen sich lange hin. Folgenschwere Entscheidungen benötigen eine ausführliche Vorlaufzeit, gerade wenn es um grundsätzliche Angelegenheiten geht. Für den Betrachter eines solchen Falles sorgt dieses lange, aber eben notwendige Prozedere irgendwie auch immer für eine gewisse Anspannung. Manche Verhandlungen sorgen für einen großen Gesellschaftsrummel. Man fiebert mit den Protagonisten mit und wartet auf die schlussendliche Resolution. Ian McEwens neuer Roman „Kindeswohl“ gibt einen Einblick in die Justizwelt. Er behandelt den Alltag einer Richterin, deren Arbeit aber beispielhaft für die vieler steht.

Sie entscheidet über das Kindeswohl

Fiona Maye ist Richterin am Londoner High Court. Um dort zu landen, muss man schon einiges geleistet und sich über viele Jahre große Anerkennung erkämpft haben. Sie ist angesehen, zuständig für den Bereich Familienrecht. Das bedeutet, dass sie beispielsweise darüber entscheidet, wie man bei siamesischen Zwillingen vorgehen muss, wenn sie gemeinsam nicht überleben können. Sie klärt Familienstreitereien jeglicher Art und hat stets eine Auge dafür, wo es Kindern am besten geht. Sie selbst hatte bis dato immer recht geordnete private Verhältnisse. Mit Geschichtsprofessor Jack ist sie seit drei Jahrzehnten verheiratet. Bisher lief die Beziehung recht harmonisch. Nun aber möchte der liebe Herr ihre Zustimmung, eine Affäre beginnen zu dürfen. Fiona fällt logischerweise aus allen Wolken, hat ganz nebenbei aber auch noch einen richtig harten Brocken im Gerichtssaal vorzuliegen.

Eine schwere Entscheidung – Religion oder Leben

Das Thema Religion spielt im Leben vieler Menschen eine wichtige Rolle. Bei einigen aber konkurriert das Eine mit dem Anderen. Der 17-jährige Adam zum Beispiel ist bei den Zeugen Jehovas, er ist gläubig mit jeder Faser seines Körpers. Leider ist eben dieser von Leukämie durchzogen. Man könnte Adam helfen, ihn mit einer Bluttransfusion retten. Man könnte, denn im Weg steht der Glaube. Fiona muss entscheiden, ob er die Transfusion erhält, gegen seinen Willen und doch für ihn. Dass Adam große Talente besitzt und diese der Richterin vorführt, macht ihre Entscheidung in „Kindeswohl“ nicht einfacher.

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19.März
2015

Jussi Adler-Olsen – Verheißung

Benjamin Jendro

Adler-Olsen - Verheißung hbDie Neuerscheinungen in diesem Frühjahr sind wirklich herausragend. In den letzten Wochen sind einige neue Werke von Autoren herausgekommen, die ich schon seit einigen Jahren lese bzw. in der Hörbuchform anhöre. Ob Luca di Fulvio oder Martin Suter, die beide in den letzten Empfehlungen vorgestellt wurden – Das Jahr 2015 hat bisher so einiges zu bieten. Das ändert sich auch in naher Zukunft nicht. Mit Jussi Adler-Olsen steht nämlich bereits der nächste Starschriftsteller auf dem Programmplan. Dessen neuer Kriminalroman „Verheißung“ thematisiert den sechsten Fall des Sonderdezernates Q. Vorsteher der Einheit für die ganz besonderen Verbrechen ist mit Carl Mørck nach wie vor der wohl charismatischste Ermittler dieser Tage.

Es gibt mal wieder Arbeit für Carl Mørck und sein legendäres Team

Siebzehn Jahre sind vergangen, seit Kommissar Habersaat damit begann, einen mysteriösen Mord aufzuklären. Damals hing eine tote Frau kopfüber von einem Baum. Des Rätsels Lösung hat er noch immer nicht gefunden. So wendet er sich nun an seinen Freund Carl Mørck, der sich dem Problem zunächst etwas zögerlich annimmt. Einen Tag später ist Habersaat tot, kurz darauf auch sein Sohn. Jetzt beginnt Mister Mørck sich ernsthaft für den Fall zu interessieren. Die Recherchen führen ihn und sein Team auf die Insel Öland. Direkt zu einem Heilversprecher, der Menschen aus dem ganzen Kontinent anlockt, um ihnen den Sinn des Lebens näher zu bringen. „Verheißung“ beginnt mit einer gewissen metaphysischen Ebene.

Das Sonderdezernat Q bringt sich in „Verheißung“ in große Gefahr

Carl, Assad und Rose dringen ein in eine Welt voller Mystik und Seelsorge ein. In „Verheißung“ dreht sich alles zentral um die transzendentale Vereinigung von Mensch und Natur. Allein dieser Name zeigt, wohin sich Jussi Adler-Olsen dieses Mal begibt und mit welchem Thema er die Zuhörer für sich gewinnen möchte. Das gelingt während der mehr als 16 Stunden Hörbuch, die von Wolfram Koch vorgetragen werden, auf vielen Ebenen. Adler-Olsen glänzt mal wieder mit vielen unvorhersehbaren Wendungen und einer plastischen Sprache, dank der man sich voll ins Geschehen hineinversetzten kann. Dass von Beginn an eine immense Spannung auf dem Werk liegt, trägt natürlich auch einen großen Teil zum Erfolg des Romans bei. Es ist, und das sagt man eigenartiger Weise bei jedem Schriftstück von Jussi Adler-Olsen auf eine Neues, die bisher beste Lektüre von ihm.

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