...entführen dich in eine andere Welt

Impressum Kontakt
11.April
2016

John Higgs – Alles ist relativ und anything goes

Gisela Blank

allesistrelativDen Originaltitel von John Higgs geistreichem Streifzug durch das vergangene Jahrhundert finde ich viel passender: „Stranger than We Can Imagine: Making Sense of the Twentieth Century“. Das bringt es auf den Punkt: Das 20. Jahrhundert war voller einschneidender Veränderungen, großer Entdeckungen und radikal neuer Gedanken und Ideen, die John Higgs in 15 Kapiteln unterhaltsam und gekonnt vorstellt. Relativitätstheorie, Moderne, Krieg, Individualismus, Das Es, Unbestimmtheit, Science Fiction, Nihilismus, Weltraum, Sex, Teenager, Chaos, Wachstum, Postmoderne und Netzwerk heißen seine Kapitel. Anhand von gelungenen Anekdoten und anschaulichen Beispielen und mittels gründlich recherchierter Hintergrundinformationen führt Higgs in „Alles ist relativ und anything goes“ gekonnt durch diese komplexen Themen, deckt verblüffende Zusammenhänge auf und macht immer wieder Lust darauf, Neues zu entdecken – über eine Zeit, in der die meisten Hörer aufgewachsen sind und die wir in- und auswendig zu kennen glauben.

Eine Reise durch das unglaublich seltsame und ziemlich wahnsinnige 20. Jahrhundert

John Higgs gelingt es, auf seiner imaginären Reise Geschichte greifbar zu machen. Die Hörer begegnen neben Albert Einstein auch Keith Richards, Elvis Presley, Salvador Dalí, Wernher von Braun, dem Videospielhelden Mario, Schrödingers Katze und vielen anderen. Und jeder von Ihnen hat eine spannende Geschichte im Gepäck, die Higgs auf seine ganz eigene Weise erzählt: So erklärt er z.B. Einsteins Relativitätstheorie anhand eines fallenden Würstchens. Mit dem versierten Sprecher Frank Arnold wird dieses ungekürzte aber kurzweilige Sachbuch zu allerbestem „Infotainment“.

0
30.März
2016

Alpensagen. Zwischen Berg und Tal

Gisela Blank

alpensagenKennen Sie das Wettersteiner Mandl? Oder die Fee vom Höllental? Oder die zwei Schwirzer von Schleching? Mir waren diese Sagengestalten auch kein Begriff. Aber mit diesem Hörbuch, das aus einer Zusammenarbeit von BR2 Kinderfunk, Quadro Nuevo und der Autorin Julia Schölzel entstanden ist, werden urige Geschichten aus der oberbayerischen und allgäuerischen Bergwelt zu neuem Leben erweckt.

Die teils heiteren, teils schaurigen, aber immer spannend erzählten Alpensagen werden von Luise Kinseher (bekannt als „Bavaria“ beim Salvator-Anstich auf dem Nockherberg), Jockel Tschiersch und Richard Oehrmann in Mundart herrlich unterhaltsam erzählt. Nördlichere Hörer könnten die kräftigen Dialekte evtl. nicht verstehen, alle anderen werden von der lebendigen Vortragsweise und den verschiedenen Stimmlagen der Sprecher begeistert sein. Da kann man sich direkt ins Geschehen hineinversetzen und mit dem Allgäuer Männle fingerhakeln oder hinab in die Tiefen des Untersberges steigen. Umrahmt werden die Geschichten von der wunderbaren Musik von Quadro Nuevo, die teils tradierte Musikstücke neu arrangiert haben, teils eigens komponierte Stücke zum Besten geben. Witzige Unterhaltung nicht nur für Kinder – und beim nächsten Urlaub in den Bergen können die Schauplätze der Sagen im Chiemgau oder Werdenfelser Land erwandert werden.

0
24.März
2016

Jonas Jonasson – Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind

Benjamin Jendro

Jonas JonassonWer es geschafft hat und den elend langen Titel des heute zu beschreibenden Hörbuchs bis zum Ende gelesen hat, läuft Gefahr, den dazugehörigen Autor längst wieder vergessen zu haben. Die Gefahr ist da, doch es wird den wenigsten passieren. Schließlich befinden wir uns längst in einer Phase, in der wir ganz genau wissen, dass derartige Titel nur auf einen Schriftsteller zurückzuführen sind. Ja, „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ ist ein echter Jonas Jonasson. Der Schwede, der vor einigen Jahren mit „Der Hundertjährige, der aus dem Fenster steig und verschwand“ debütierte, hat mal wieder ein Werk über einen Sonderling geschrieben, der eine sonderbare Geschichte durchläuft.

Mörder Anders in der Körperverletzungsagentur

Der neue Protagonist heißt Johan Andersson. So nennt ihn aber keiner. Er ist kurz und schmerzlos „Mörder Anders“. Dabei ist der Gute gar kein Lebensvernichter. Er saß zwar schon unzählige Male hinter Schwedischen Gardinen, allerdings wegen diverser anderer Delikte. Im Roman nur kommt er wieder mal auf freien Fuß und möchte dort auch länger bleiben. Die Grundlage sind geordnete Finanzen und genau deshalb sucht er sich einen Job. Das Angebot einer Pfarrerin kommt ihm da genau recht. Johanna hat zusammen mit dem Hotelmitarbeiter Per eine Firma aufgemacht, zu der die von Anders angebotenen Dienst bestens passen. Die Körperverletzungsagentur, bei der als Schläger für gute Manieren sorgt, ist allerdings nur das erste Sprungbrett für „Mörder Anders“.

Jonas Jonasson überzeugt mit wahnwitzigen Ideen

Sein 448-minütiges Abenteuer ist hier in der Tat noch nicht zu Ende. Sprecher Jürgen von der Lippe – welch gelungene Wahl – führt den Akteur in „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“ trotz guter Auftragslage in ein anderes Berufsfeld. Er beginnt plötzlich, das eigene Handeln massiv zu hinterfragen und wendet sich der Religion zu, weil Jesus zu ihm gesprochen hat. „Mörder Anders“ entwickelt eine waghalsige Idee, er möchte ein eigenes Gotteshaus bauen. Dies wird nochmal gesteigert, als er sich dazu entschließt, gleich eine eigene Religion aus dem Boden gedeihen zu lassen. „Mörder Anders und seine Freunde nebst dem einen oder anderen Feind“, und das merkt man schon bei diesem winzigen Auszug, sprüht nur so vor wahnwitzigen Einfällen. Dank ihnen und den lustigen Wendungen gelingt es Jonas Jonasson, mal wieder Leser und Zuhörer voll auf seines Seite zu ziehen.

0
18.März
2016

Elke Heidenreich – Alles kein Zufall

Benjamin Jendro

Elke Heidenreich - Alles kein ZufallSie ist Hessin, Schriftstellerin, Moderatorin, Journalistin, Librettistin und auch Kulturkritikerin. Darüber hinaus – fast hätte ich es vergessen – auch eine begnadete Kabarettistin. Ja, Elke Heidenreich kann viel und ist vieles. Die Tochter eines Kfz-Mechanikers hat es weit gebracht in unserer kulturellen Welt und sich seit Jahren in den verschiedensten Bereichen als feste Größe etablieren können. Man hört ihr einfach gerne zu. Möglich ist das neuerdings auch bei „Alles kein Zufall“. Das Sammelsurium aus kurzen Geschichten zeigt viele der Qualitäten. Selbstverständlich hat die Künstlerin die 224 Minuten Hörbuch selbst eingesprochen.

„Alles kein Zufall“ ist ein Hörbuch über Vögel

Jedes Hörbuch lebt davon, dass die Stimme des Erzählers zu dem passt, was erzählt wird. Bei Elke Heidenreichs „Alles kein Zufall“ kann man das schon mal abhaken. Grundsätzlich ist der Unterhaltungswert auch von der Gesamtkomposition, der ordentlichen Struktur der Erzählung abhängig. Auch das muss man in diesem Fall bejahen. Nicht nur, weil die einzelnen Kapitel auf den drei Hörbuch-CDs dem Alphabet nach angeordnet und benannt sind. Letztlich thematisieren die Geschichten vor allem eines – Vögel. Es sind eigensinnige Flügelbesitzer, bunte und unterschiedliche.

Die Höhen und Tiefen des Lebens – Das ist „Alles kein Zufall“

Gemeint sind mit den vielen Vögeln natürlich nicht die wirklichen Vögel, sondern Menschen, die letztlich machen, was sie wollen und nicht was sie sollten. Heidenreich skizziert ein immenses Portfolio an breitgefächerten Charakteren und zeigt, wie variabel das Leben verläuft, wie viele positive und negative Wendungen es nehmen kann. Interessanterweise verfolgt sie dabei einen deterministischen Ansatz. Das ist nämlich, wenn man mal genauer hinschaut „Alles kein Zufall“. Das kann man so sehen, muss man sicher nicht. Klar ist aber auch, dass die Autorin Elke Heidenreich dank ihrer von Zuneigung und Wärme geprägten Sprache gute Argumente dafür liefert, dass man ihr Glauben schenkt und sich so irgendwie nach und nach dem hingibt, was sie da vorstellt.

0
11.März
2016

Michael Tsokos – Zerschunden

Benjamin Jendro

Tsokos - ZerschundenDie spannendsten Thriller und Kriminalromane stammen von Autoren, die aufgrund ihres beruflichen Backrounds ganz genau wissen, wovon sie berichten. Zum einen ermöglicht es ihnen die tägliche Arbeit, Fälle kennenzulernen, von deren Elementen ihre späteren Werke profitieren und auf denen sie häufig auch basieren. Zum anderen bringen sie aufgrund ihrer enormen Fachkompetenz das nötige Wissen mit, um etwas authentisch und zugleich fachlich korrekt aufzuschreiben. Michael Tsokos ist das allerbeste Beispiel. Seine bisherigen Schriften realer und fiktiver Natur waren allesamt sehr spannend. Das gilt auch für seine neue True-Crime-Reihe um Rechtsmediziner Fred Abel. „Zerschunden“ ist der erste Teil – er wird von Simon Jäger gelesen. Anfang April erscheint mit „Zersetzt“ die Fortsetzung.

Zerschunden – Ein Mörder, der eine Botschaft hinterlässt

In Berlin wird eine Rentnerin Opfer eines Raubmordes. Ein dunkelhäutiger Halunke ist ihr hinterhergelaufen, hat sie in die Wohnung gestoßen, getötet und Hab und Gut mitgehen lassen. Es riecht nach einem typischen so genannten Nachläufer, doch eine sonderbare Botschaft lässt Böses erahnen. Auf ihrem Leib steht „Respectez Asia“. Das ist nicht nur grammatikalisch falsch, sondern auch jene Botschaft, die sich später in „Zerschunden“ auch auf der Haut einer Britin und einer Italienerin findet – ein Serientäter. Fred Abel, Rechtsmediziner und ein Guter seiner Zunft, wird mit dem Fall betraut und steigert sich aufgrund einer persönlichen Bindung zum Hobbyermittler. Ein Kumpel aus der Bundeswehrzeit scheint als Täter in Frage zu kommen, hat kein Alibi, passt auf die Beschreibung und den Haplotypen, den Abel vom Täter rekonstruieren konnte, wenngleich das lediglich die Auswahl an potenziellen Mördern einengt, jedoch keinesfalls auf nur einen hinweist.

„Zerschunden“ von einem Psychopathen

Angesprochener Lars Moewig gilt als Raubein, der anders als Abel nach der Bundeswehr nicht richtig den Anschluss fand. Er war zu den jeweiligen Tatzeiten in Berlin und auch in London. Dass er auf das Profil passt, reicht Polizei und Staatsanwaltschaft, um ihn hinter Gitter zu bringen. Das kommt zum sehr ungünstigen Zeitpunkt, denn seine kleinen Tochter Lilly leidet an Leukämie, hat nur noch wenige Tage zu leben. Abel verspricht seinem Kumpel, an dessen Unschuld er auch etwas zweifelt, sein Bestes zu geben. Genau das erleben wir dann auch. Er jettet dem Täter hinterher. Den vierten Mord begeht er in Paris und exakt da kommt es auch zum Showdown zwischen dem Psychopathen, der in „Zerschunden“ sein Unwesen treibt und einem Protagonisten, bei dem man nicht zu Unrecht Tsokos selbst vor Augen hat.

0
4.März
2016

Anna Todd – Before Us

Benjamin Jendro

Todd - before usDamit konnte man jetzt nicht so wirklich rechnen. Natürlich schien es klar, dass Erfolgsautorin Anna Todd ihre Bestseller-Reihe „After“ nicht ihr einziges literarisches Erzeugnis bleiben. So darf sich ihre große Fanbase auf drei weitere Werke freuen. Was mich persönlich ein wenig überrascht ist der Umstand, dass sie im Stile von E. L. James ihre Reihe nachträglich erweitert, ein sogenanntes Prequel geschrieben hat. So erzählt „Before Us“ gemäß des Titels von der Zeit, bevor Tessa und Hardin zueinander finden. Interessant für alle, die die Reihe bereits lieben gelernt haben und eine äußert gute Einstiegsmöglichkeit für alle, die sich auf das Lektüreabenteuer einlassen möchten.

Tessa und Hardin – Zwei unterschiedliche Personen, die eins werden

Anna Todd ist ganz zufällig mein Jahrgang, doch anders als ich scheint sie tief von den Highschool-Romanzen der 90er-Jahre geprägt worden zu sein. Nun saß die Texanerin natürlich auch direkt an der Quelle und war so ein Teil jener Welt, die uns Hollywood stets mit viel liebevoller Atmosphäre abzubilden versuchte. Anna Todd hat die mehr oder minder gemachten Erfahrungen für eine recht erfolgreiche Liebesreihe verwenden können. Die Liebschaft zwischen Tessa – dem jungen, unerfahrenen Mädchen, was nach Washington kommt, um dort das Studium zu beginnen – und Hardin – der Rüpel, der reihenweise Frauen um den Verstand bringt und macht, was er will – hat sie auf vier Bände ausgedehnt. „Before Us“ erzählt nun, wie das Leben des Bad Boys vorher war.

Before Us – Zehn Stunden, die Hardin gewidmet sind

Sprecher Martin Bross agiert als Hardin und verleiht ihm genau diejenige Stimme, mit der wir diesen Harry-Styles-Verschnitt assoziiert haben. „Before Us“ zieht sich über mehr als zehn Stunden. Das mag lang erscheinen, vergeht aber wie im Flug, weil wir ein sehr ambivalentes Charakterbild zu hören bekommen. Im Spin-off wird sein Leben vor Tessa durchleuchtet, zugleich aber auch, wie sich beide kennengelernt haben und was er darüber denkt. Schon jetzt sei einmal vorgemerkt, dass mit „Nothing More“ und „Nothing Less“ zwei weitere Geschichten zu dem Spektrum bereitstehen. Hier schaut Anna Todd auf Landon, Tessas besten Freund und Hardins Stiefbruder, der in New York sein Glück sucht.

0
26.Februar
2016

Jojo Moyes – Über uns der Himmel, unter uns das Meer

Benjamin Jendro

Moyes - Über uns der Himmel, unter uns das MeerGanz ehrlich: Niemand, der schon einmal einem Hörbuch von Jojo Moyes gelauscht hat, dürfte beim Titel ihres aktuellen Stücks verwundert sein. Die Britin steht für einfühlsame Lektüre und ist eine der erfolgreichsten Autorinnen der letzten Jahre. Ihre Romane, in denen es stets um besondere Schicksale von allgemeingültiger Natur ging, haben allesamt mir sehr viel Gefühl und Authentizität überzeugen können. So ist es auch bei „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ – einer Geschichte über eine Frau, die nicht loslassen, aber auch nicht bleiben kann.

Sie befinden sich auf dem Meer und über ihnen ist der Himmel

In den 490 Hörbuchminuten, bei denen Luise Helm die Zeilen von „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ eingesprochen hat, geht es um eine Schiffsreise, die Jahrzehnte vor unserer Zeit liegt. Es ist das Jahr 1946. Der Weltkrieg ist vorüber, doch noch immer zeigen sich die Folgen der verheerenden Auseinandersetzungen an allen Ecken. 600 Frauen sollen von Australien nach Großbritannien reisen, zurück in ein Leben mit Ehemann oder Verlobtem. Unter den Reisenden sind auch eine 16-Jährige namens Jean, eine Farmertochter namens Maggie und die aus betuchtem Hause stammende Avice. Viele von ihnen wissen gar nicht, was sie erwartet. Zu tiefe Wunden hat der Krieg verursacht, zu viel Unklarheit in das Leben aller gebracht. Am deutlichsten spürbar wird das bei Protagonistin Francis, die mit den anderen drei in einer Kajüte schläft.

In „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ finden sich zwei Gleichgesinnte

Anders als die anderen lässt Francis nur wenig Gefühle nach außen dringen. Sie verschließt sich sämtlichen Gesprächen, lässt niemanden an sich heran. Einzig ein Marineoffizier scheint Zugang zu ihr zu finden. Nur besagter Kapitän Henry Nicols versteht sie. Das liegt auch daran, dass er der einzige Akteur in „Über uns der Himmel, unter uns das Meer“ ist, der ähnlich schreckliche Erfahrungen hinter sich hat wie Francis. Auf dem Schiff werden beide davon eingeholt, wobei nie ganz klar ist, ob sie wirklich wieder zurück in ihr altes Leben wollen.

0
20.Februar
2016

Umberto Eco – Nullnummer

Benjamin Jendro

Eco - NullnummerNatürlich gehört das Sterben zum Leben dazu. Sicher es ist nicht Teil des Lebens, sondern vielmehr das Ende. Doch wir machen uns während des Lebens schon mit dem Tod bekannt, erwägen ihn als Option, setzen uns mit ihm auseinander. Wenn ein Mensch mit 84 aus dem Leben scheidet, wenn er stirbt, dann scheint es der natürliche Lauf der Dinge. 84 Jahre sind ein stolzes Alter. Ein langes Leben, auf das man stolz zurückblicken kann. Dennoch aber gibt es Tode, die ein Loch hinterlassen, nach denen eine Lücke klafft. Genau diese hat sich mit dem gestrigen Tod von Umberto Eco aufgetan. Einer der größten Literaten unserer Zeit hinterlässt viele traurige Leser. Denn er hat auch im hohen Alter, trotz Krebs, noch ein wahnsinnig hellen Kopf gehabt, was in seinem letzten Werk „Nullnummer“ mehr als deutlich wurde.

Ein Autor mit ganz besonderer Schreibweise

Eco, der Knabe aus Piemont war immer ein Autor, der mit dem Leser spielte, ihn zu wahnsinnig anspruchsvollen Denkleistungen animierte. Ja, so eine Schrift wie „Das Foucaultsche Pendel“ konnte niemand mal eben so im Vorbeigehen durchwälzen. Diesen Glanz, diese ganz eigenwillige Schreibweise erhielt er sich auch nach dem Millennium, verwirrte uns mit „Der Friedhof in Prag“ auf ein Neues. Sprachästhet Eco stand immer für die besonderen Schriften. In „Nullnummer“ widmete er sich dem Zeitungswesen und transferierte den Hang zur Verschwörungstheorie auf den von ihm wissenschaftlich vielfach untersuchten Bereich der Medien.

Nullnummer – Diese Zeitung wird nie veröffentlicht

Als Zuhörer von „Nullnummer“ wird man in den Mailändischen Sommer des Jahres 1992 zurückversetzt. Irgendwer hat bei Journalist Colonna eingebrochen und nach einer wichtigen Diskette gesucht. Gefunden hat der Eindringling sie nicht, doch Colonna wird klar, dass er in großer Gefahr schwebt. Sein Doppelleben könnte sich als Spiel auf des Messers Schneide erweisen. Gemeint ist die Mitarbeit an einer Zeitung, die es nie geben soll, die ein Experiment darstellt und die Vernetzung von Medien und Politik offenbart. Wer beim Verleger Vimercate an einen Herren namens Berlusconi denkt, ist ein Schelm, der aber nicht den schlechtesten Weg wählt. In den sechs Stunden Hörbuch, die Felix von Manteuffel mit Bravour erzählt, zeigt sich, wie korrupt und wie perfide das Zusammenspiel funktioniert. Es ist ein typischer Eco-Roman, der natürlich auch den Vatikan, die Geheimloge P2 und die Mafia in die Erzählung integriert.

0
18.Februar
2016

Kirsten Boie: Thabo – Detektiv & Gentleman. Der Nashorn-Fall

Gisela Blank

thaboSanibonani! Thabo Sonnyboy Shongwe heißt die neue Kinderbuchfigur von Kirsten Boie, und der aufgeweckte Junge will eines Tages ein echter Gentleman werden. Oder noch besser: Privatdetektiv. Denn wie ein Detektiv ermitteln muss, weiß er aus alten Miss Marple-Filmen. Dumm nur, dass es im beschaulichen afrikanischen Örtchen Hlatikulu noch nie einen Kriminalfall gab. Doch dann wird im angrenzenden Safaripark ein Nashorn wegen seines kostbaren Horns ermordet und es liegt an Thabo und seinen Freunden Emma und Sifiso, den Nashorn-Mörder aufzuspüren. Denn zunächst gerät sein Onkel Vusi, der in der Lion Lodge als Ranger arbeitet, unter Verdacht …

Mit der abenteuerlichen Verfolgungsjagd durch die afrikanische Savanne entführt Kirsten Boie in „Der Nashorn-Fall“ ihre jungen Leser (und Hörer) zum ersten Mal in das südafrikanische Swasiland. Dort ist die erfolgreiche Kinder- und Jugendbuchautorin seit Jahren mit ihrer „Möwenweg-Stiftung“ in einem Projekt für AIDS-Waisenkinder engagiert. Obwohl es den meisten Kindern in dem Land alles andere als gut geht, erzählt Kirsten Boie unbefangen und voller Witz und Humor die Geschichte von Thabo und seinen Freunden. Ihr Anliegen ist es, Interesse für Afrika zu wecken, und das gelingt ihr mit dem spannenden Krimi für Kinder ab 10 Jahren definitiv.

Einen großen Anteil daran hat beim Hörbuch der junge Sprecher Hendrik Kleinschmidt. Der Schüler gewann 2014 den Vorlesewettbewerb des Börsenvereins des Deutschen Buchhandels und hat mit „Thabo – Detektiv & Gentleman“ sein erstes Hörbuch komplett gesprochen. Das macht er lebendig und frech; das Augenzwinkern des Ich-Erzählers bringt er mühelos in die Lesung ein. Da kann man nur sagen: Salani kahle (= Auf Wiedersehen), wir wollen künftig mehr von Thabo hören!

0
12.Februar
2016

Robert Galbraith – Die Ernte des Bösen

Benjamin Jendro

Galbraith - Die Ernte des BösenSpätestens mit ihrem dritten Kriminalroman um Detektiv Cormoran Strike – ein Afghanistan-Veteran – gelingt es Harry-Potter-Autorin Joanne K. Rowling sich endgültig des Vorwurfs, auf Ewigkeit nur mit Geschichten um den Zauberlehrling Erfolg haben zu können, zu entledigen. Aus meiner Sicht ist ihr das bereits mit „Der Ruf des Kuckucks“, bei dem sie erstmalig unter dem Pseudonym Robert Galbraith verfasste, gelungen. Jetzt dürften das auch die letzten Kritiker akzeptieren müssen, denn „Die Ernte des Bösen“ ist ein rasanter Krimi mit einer zunächst sehr undurchschaubaren Entwicklung. Er besticht mit viel Spannung, guter stilistisch passender Wortwahl und zwei grandiosen Akteuren.

Eine Postsendung, die selbst Strike und Ellacott verwirrt

Cormoran Strike ist in seinem dritten Fall „Die Ernte des Bösen“ bereits ein alter Hase, den genau genommen nicht mehr allzu viel schockieren kann. Ein abgetrenntes Frauenbein aber schon. Genau so eines geht bei ihm ein. Als seine Assistentin Robin Ellacott den Posteingang öffnet, fallen demnach beide fast in Ohnmacht. Nach einem kurzen Moment der spürbaren Beunruhigung fängt sich der Kriegsveteran und grübelt in alter Sherlock-Holmes-Manier gleich, wer der Absender sein könnte und sich hier einen üblen Scherz erlauben möchte. Gleich vier Kandidaten aus seiner Vergangenheit kommt in Frage. Einer ganz besonders. So hat die Polizei auch schnell einen potenziellen Tatverdächtigen ausgemacht. Leider einen, bei dem das Ziel, den Täter zu finden, in weitere Ferne rückt.

Die Ernte des Bösen bringt das Ermittler-Duo in große Bedrängnis

Skrupellos und sicher auch zu solcher Grausamkeit fähig ist jeder aus dem Quartett, doch Strike und Ellacott, die einmal mehr in Dr. Watsons Fußstapfen tritt, haben schnell eine ganz andere Richtung als die Polizei. Gemeinsam begeben sie sich in finstere Gassen auf die Spur von drei Kerlen, die in düsteren Welten beheimatet scheinen. Wer Galbraith schon mal gelesen hat, weiß, dass es folglich nicht bei einem einzigen Zwischenfall in Form des abgetrennten Bein bleibt. „Die Ernte des Bösen“ ist viel weitreichender. Weitere Grausamkeiten suchen London heim und führen Strike und Ellacott immer weiter mitten in die Gefahr hinein. Galbraith gelingt es, dies in einer bisher gar nicht so erkennbaren Schärfe darzustellen. Sprecher Dietmar Wunder (die deutsche Synchronstimme von 007 Daniel Craig) sorgt für den Rest.

 

0