...entführen dich in eine andere Welt

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21.August
2012

Robert Harris – Ghost

Benjamin Jendro

Robert Harris - GhostAls Wortästhet hat man es in der realen Welt nun wirklich nicht leicht. Die meisten Autoren zerbrechen daran, dass sie etwas wirklich Bedeutsames schreiben wollen. Ihr Problem liegt darin, dass sie von vielen nicht verstanden werden und ihre Zeilen erst Jahrhunderte nach ihnen gerühmt werden. Einen Johann Wolfgang von Goethe stufen wir heute als den größten Literaten unserer Geschichte ein. Trotzdem führte er ein ärmeres Leben als es heute ein eher zweitklassiger Bestsellerautor tut. Der Erfolg beschränkt sich oftmals auf die Meinung der Leser. Wer nicht nach ihrem Geschmack schreibt, wird keinen Erfolg haben. Insofern muss sich Literatur nach dem gesellschaftlichen Wunsch richten. Ghostwriter haben es gar noch schwerer. Die große Masse weiß gar nicht, was sie leisten und geschrieben haben. Um einen solchen Schriftsteller dreht sich „Ghost“ von Robert Harris, das Schauspieler Hannes Jaenicke in der Reihe „Die Krimis“ vorliest.

Die Memoiren eines ehemaligen Premiers

Eigentlich hat der Ghost gar nicht so richtig Lust darauf, die Memoiren von Ex-Premierminister Adam Lang zu Ende zu schreiben. Zehn Millionen Vorschuss hat man dem Prominenten geboten, wenn er innerhalb von zwei Jahren ein vollständiges Werk auf den Markt bringt. Als dann der eigentliche Schriftsteller McAra ums Leben kommt, rennt die Zeit davon. Schnell will man sich um Ersatz kümmern und schon dringt der eigentliche Hauptakteur in die Story. Dieser soll ganz seiner Berufung nach keinen Namen tragen. Die Geschichte bekommen wir aber letztlich von ihm geliefert. Er erzählt uns vom Unwohlsein, das in ihm selbst herrscht. Dieses Hin und Her aus Wollen und Nichtwollen und aus Steinen, die man ihm in den Weg rollt, lässt in weiten Teilen des Werkes auch den Leser hinterfragen. Warum darf er nichts am bisherigen Manuskript ändern, warum sind einige Bestandteile unwiderruflich? Weshalb muss er das Werk vor Ort fertigstellen?

Nur eine politische Marionette?

Die Antworten darauf ergeben sich bei der weiteren Recherche. Diese entführt den Ghost in ein Konstrukt aus politischer Berechnung. Es scheint fast so, als sei Lang nur eine Marionette gewesen, die durch andere Personen auf den Posten gehoben wurde. Wie passiv dabei seine eigene Rolle ist, erfährt man erst am Ende. Typisch für den Autor ist auch der offene Ausgang, welcher wieder einmal zu weiteren Spekulationen einlädt. Er gibt zwar eine Richtung vor, in welche diese gehen können. Ein endgültige Auflösung aber bleibt auch dieser packende Thriller von Robert Harris schuldig.

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