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8.Oktober
2015

Timur Vermes – Er ist wieder da

Benjamin Jendro

Vermes - Er ist wieder daKein deutscher Film wird in diesem Jahr so viel Aufsehen erregen wie David Wnendts „Er ist wieder da“. Mit einer tollen Herangehensweise hat er einen brillanten filmischen Rahmen für Timur Vermes gleichnamigen Roman gefunden. Teilweise filmte er einzelne Szenen mit versteckter Kamera direkt auf den Straßen Berlins und fing so die authentischen Reaktionen der Menschen auf einen Adolf Hitler mitten im 21. Jahrhundert ein. Mit seinem viel diskutierten Schriftstück hat Timur Vermes ihm die richtige Grundlage geschaffen. Er lässt seinen Protagonisten, der im Hörbuch brillant von Christoph Maria Herbst gesprochen im Jahr 2011 auf alle Gegebenheiten der heutigen Zeit treffen.

Er ist wieder da

In den Annalen kann man ausführliche Notizen finden, Adolf Hitler ist am 30. April 1945 offiziell für tot erklärt worden. Für viele Literaten und Medienvertreter spielt er dennoch weiterhin eine Rolle, das Spektrum Hitler ist noch lange nicht ausgereizt. Timur Vermes hat das mit seinem Roman einmal mehr bewiesen und ein vollkommen neues Konzept entwickelt. In „Er ist wieder da“ platziert er Adolf Hitler im Jahr 2011 in Berlin Mitte, auf einem leeren Grundstück und in unmittelbarer Nähe zum damaligen Bunker. Er ist noch immer derselbe, doch die Zeit hat sich komplett. Mittlerweile regiert eine Frau in Deutschland, einem Land des multikulturellen Austauschs. Krieg herrscht im Zentrum Europas keiner mehr, die NSDAP gehört der Geschichte an. Sichtlich überfordert mit seiner Umgebung tapst er erst einmal hilflos durch die Straßen. Auch dank der vielen Ahnungslosen um ihn herum aber erlangt er nach und nach immer mehr Souveränität.

Hitler gelangt durch die Medienwelt zurück in den Fokus

Alle Menschen, die auf ihn treffen, halten ihn für einen begnadeten Komiker, der sowohl die Denkweise des einstigen „Führers“ verinnerlicht zu haben scheint als auch seine Mimik und Gestik. Niemand, weder die waschechten Neonazis, noch führende Politiker oder Prominente ahnen, mit wem sie es hier wirklich zu tun haben. Hitler steigt auf zum gefeierten Medienstar und erntet dank der Genialität seiner witzigen Darstellung großen Beifall. Vermes zeigt in „Er ist wieder da“, wie sehr unsere heutige Gesellschaft von Medien abhängig ist. Hitler sammelt Facebook-Likes, jeder möchte mit ihm gesehen werden. Niemand nimmt die scheinbare Witzfigur ernst und so schiebt sie sich immer weiter empor. Das ist gefährlich und beweist letztlich nur, dass auch die Gesellschaft des 21. Jahrhundert anfällig für die Verführung eines Demagogen ist. Selbstverständlich ist alles mit reichlich Humor verpackt.

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