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4.Dezember
2012

Umberto Eco – Das Foucaultsche Pendel

Benjamin Jendro

Eco - Das Foucaultsche PendelMit Thrillern ist das immer so eine Sache. Irgendwie gibt es kaum ein literarisches Konstrukt, das als Thriller deklariert wird und dann nicht zu fesseln weiß. Auch, wenn sie sich in ihrer Qualität, der Gestaltung der Szenerie und auch derjenigen der einzelnen Akteure, arg unterscheiden können, legt man einen Thriller nach dem Beginn nur selten zur Seite. Woran das genau liegt, kann man gar nicht so recht sagen. Sind wir wohl erst einmal Zeuge eines Vorfalls, wollen wir auch sehen oder hören, wie dieser ausgeht. Ganz egal, wie unrealistisch oder einfach das Ende auch sein mag. Einen der größten Thriller aller Zeiten möchte ich heute als Hörbuch ans Herz legen. Zwar kann es bei den gut dreieinhalb Stunden durch das Übermaß an Begriffen und Institutionen schon mal ein wenig unübersichtlich werden – „Das Foucaultsche Pendel“ von Umberto Eco muss man aber definitiv mal gehört haben.

Es beginnt mit den Templern

Ausgangspunkt für die folgende Geschichte ist eine Dissertation über die Templer, die der junge Casaubon in den siebziger Jahren in Italien abgeben möchte. Nach der dort zentralen Theorie kam es im 14. Jahrhundert keinesfalls zum Untergang des einst so mächtigen Ritterordens. Vielmehr habe er diesen selbst inszeniert und sich stattdessen in kleinere Gruppen aufgeteilt, um in der Moderne mittels unschätzbarem Wissen die Weltherrschaft zu übernehmen. Unter anderem integriert der stets intertextuell arbeitende Umberto Eco dort Thesen zum Mysterium des Heiligen Gral. Casaubon stößt auf die Lektoren Jacopo Belbo und Diotallevi, die sein Manuskript anfangs für komplett wertlos halten. In der Folge aber entwickeln sie ein großes Interesse. Gemeinsam spinnen die drei eine Verschwörungstheorie zusammen, die neben den Templern auch weitere Gesellschaften beinhaltet, zu denen es die verschiedensten Spekulationen gibt. Rosenkreuzer, Freimaurer, Kabbalisten, Illuminaten, Assassinen und Die Weisen von Zion werden so einfach alle in einen Topf geworfen.

Wenn eine Theorie gefährlich wird

Allein die Hirngespinste der Drei beinhalten schon einen gigantischen Unterhaltungswert. Noch spannender aber wird es, als jemand den Freunden an den Kragen will. Womöglich hängt das mit den aufgestellten Theoremen zusammen, vielleicht sind es die Templer selbst, die ihr Geheimnis wahren wollen. Eigentlich sollten diese bereits 1944 zurück an die Herrschaft gelangen, irgendetwas aber muss die Pläne verändert haben. So schlummern sie noch immer im Verborgenen, zumindest, wenn es nach Casaubon geht. Interessanterweise, und da unterscheidet sich Eco von Dan Brown und alles, was nach ihm kommt, bewahrheitet sich die Verschwörung nicht. Sie spielt mehr auf die fiktive Möglichkeit an und kann aus diesem Grund auch als Parodie auf alle Verschwörungstheorien der Neuzeit interpretiert werden. So oder so aber ist es eine Lektüre, die mit Blick auf Geheimbünde und Mystik zum absoluten Lehrwerk avanciert. Die einzelnen Details zu den Gegebenheiten zeigen einmal mehr, welche Hintergrundwissen der italienische Autor mit ins Spiel bringt.

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