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11.Dezember
2012

Yann Martel – Schiffbruch mit Tiger

Benjamin Jendro

Schiffbruch mit TigerEs ist wohl der Traum eines jeden Tierliebhabers, einmal selbst eine eigne Arche im Stile Noahs zu besitzen. Von jeder Tierart hätte man dann zwei Exemplare. Die Auswahl, wessen Nähe man genießen möchte, obliegt jedem selbst. Der Inder Piscine Molitor Patel, auch Pi genannt, gelangt in „Schiffbruch mit Tiger“ zumindest in eine vergleichbare Situation, wenngleich sich seine Arche als nicht ganz so stabil herausstellt. Seine Familie beschließt mit dem gesamten Inventar eines gut gefüllten Zoos nach Kanada auszuwandern. Auf der Reise jedoch sinkt der japanische Frachter und mit ihm der überwiegende Teil der Fracht. Pi überlebt und reist fortan mit tierischen Begleitern durch den Ozean.

Ein Vegetarier und ein Fleischfresser

Derzeit darf man die Geschichte des Kanadiers Martel ja auch im Kino bewundern, bei der Hörbuchfassung aber kann man sich noch viel besser in die Situation und das Denken Pis hineinversetzen, gar seine Ängste mitfühlen. Leser Ilja Richter vermittelt uns das Geschehen eindrucksvoll und erzählt davon, wie sich der Protagonist auf einem Rettungsboot mit Zebra, Orang-Utan, Hyäne und einem Tiger wiederfindet. Weil sich das größte Raubtier, das auf den Namen Richard Parker reagiert, anfangs noch ein wenig seekrank fühlt, frisst die Hyäne zunächst das Zebra und dann den Orang-Utan. An die neue Situation gewöhnt, tritt Richard Parker in Aktion und verspeist den unterlegenen Gegner. Pi jedoch verschont er und akzeptiert ihn als gleichberechtigten Reisegefährten, wohl auch, weil dieser ihn täglich mit geangeltem Fisch versorgt und selbst Vegetarier ist.

Zwei Reisende und jede Menge Abenteuer

Es vergehen Monate, in denen Pi und sein Tiger über das Wasser gleiten. Zwischendurch begegnen sie einem anderen Schiffbrüchigen, der schon einmal gemordet hat. Als er auf das Boot der Beiden steigt und Pi angreift, tötet Richard Parker ihn. Sie landen auf einer Insel, auf welcher der Junge sich von Algen ernährt, die er später als fleischfressende Varianten kennenlernt. Zu den Bewohnern zählen lediglich eine große Reihe an Erdmännchen, die des Tigers Gaumen erfreuen. Nachdem sie die Insel verlassen, werden sie an die mexikanische Küste gespült, wo der Tiger für immer im Dschungel verschwindet und Pi seine Geschichte erzählt. Diese wird ihm nicht geglaubt, wodurch er eine erfindet, die nicht gerade mehr Akzeptanz erhält. So schließt Martel mit einem Fazit zwischen den Zeilen, welches dazu neigt, der Fantasie keine Grenzen zu setzen.

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